Rostock - Hansa Rostock kommt einfach nicht zur Ruhe. Neben den permanenten existenzbedrohenden Finanzsorgen haben den in die Drittklassigkeit abgestürzten einstigen Fußball-Bundesligisten nun auch die sportlichen Probleme und der Ärger um gewalttätige Anhänger wieder eingeholt. Trainer Andreas Bergmann wurde am Mittwochabend unmittelbar nach der peinlichen 1:2-Pleite gegen den 1. FC Neubrandenburg im Halbfinale des Landespokals gefeuert. Wutentbrannte Fans ließen ihrer Enttäuschung über den erneut katastrophalen Auftritt des Teams freien Lauf und randalierten auf dem Stadiongelände.

Die erneuten Ausschreitungen haben die Vereinsführung geschockt. "Das war einer der schwärzesten Tage, die Hansa erlebt hat. Das Spiel war eine Katastrophe. Was danach abgelaufen ist, war noch viel, viel schlimmer", sagte Hansas Vorstandsvorsitzender Michael Dahlmann am Donnerstag. Man habe gesehen, dass es einigen nicht um den Verein gehe, sondern nur darum, Krawalle zu inszenieren. "Das ist nicht der FC Hansa. Das ist nicht unser Weg", betonte er.

Die Pokalpleite und die Trennung von den Trainern - neben Bergmann muss auch Assistent Andreas Reinke seinen Stuhl räumen - kommen den klammen Club teuer zu stehen. 125 000 Euro Antrittsprämie für den DFB-Pokal fehlen, so Hansa nicht wider Erwarten doch noch den vierten Rang in der 3. Liga erreicht. Bergmann und Reinke haben noch bis zum 30. Juni 2015 datierte Verträge.

Ein Nachfolger ist noch nicht benannt worden. Vorerst wird Robert Roelofsen, Trainer des U23-Teams, übergangsweise das Training der Profis leiten. Der 44 Jahre alte Niederländer wird die Mannschaft auf das Auswärtsspiel am Samstag beim Halleschen FC vorbereiten. "In den ausstehenden sechs Spielen wollen wir noch einmal angreifen, um Platz vier und damit die Qualifikation für den DFB-Pokal zu erreichen", sagte Hansas Sportvorstand Uwe Vester. Da Roelofsen keine Fußballlehrer-Lizenz hat, muss Hansa laut DFB-Richtlinien innerhalb von 15 Tagen einen Nachfolger präsentieren.

Der 54 Jahre alte Bergmann war beim einstigen Bundesligisten lediglich zehn Monate im Amt. Nach einer Pleitenserie stand der frühere Bundesliga-Coach bereits im Herbst vergangenen Jahres stark in der Kritik. Eine darauffolgende Erfolgsserie ließ bei den Hanseaten sogar Hoffnungen auf eine Rückkehr in die 2. Bundesliga keimen. In diesem Jahr haben die Rostocker aber noch kein Heimspiel gewonnen und sind mit 16 Punkten Rückstand aussichtslos auf den siebten Tabellenrang zurückgefallen.

Nach dem Pokalspiel war es zu Ausschreitungen gekommen. Wie die Polizei mitteilte, versuchten wütende Hansa-Fans ein Tor zu öffnen, um zur Mannschaft zu gelangen. Aus einer Gruppe von etwa 250 Personen warfen mehr als 60 Anhänger Pflastersteine, Baumaterial und Absperrvorrichtungen gegen Mitarbeiter des Ordnungsdienstes, die Polizei und das Stadiongebäude. Die Polizei räumte das Gelände. Vier Polizisten wurden leicht verletzt. Die Höhe des entstandenen Schadens ist nach Vereinsangaben nach ersten Einschätzungen gering. Gegen die Beteiligten wird wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs ermittelt.