Köln - Intensiv, clever, eiskalt: Die Kölner Haie haben den Final-Rookies vom ERC Ingolstadt früh gezeigt, was einen deutschen Meister ausmacht.

"Wir haben hart gearbeitet, unsere Tore gemacht und hatten auch ein wenig Glück", lautete das Fazit von Stürmer Philip Riefers nach dem 4:2 (0:0, 3:2, 1:0)-Erfolg des achtmaligen Titelträgers gegen das Überraschungsteam aus Ingolstadt im ersten Finalspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die Bayern, die im 50. Club-Jahr erstmals in den Endspielen stehen, wollen im zweiten Match daheim die Fehler vermeiden. In Köln hatte vor allem eine Aktion die Partie zugunsten der Haie gekippt.

Eine alltägliche Unterbrechung brachte die Gäste vor der prächtigen Kulisse von 15 167 Zuschauern in der Kölner Arena aus dem Konzept und ließ sie wie Anfänger aussehen. In der 27. Minute feierte Christoph Gawlik nach einem Gerangel vor dem Kölner Tor das vermeintliche 1:0. Doch das Schiedsrichter-Gespann zog den Videobeweis heran und gab den Treffer wegen Torraum-Abseits und einer unnatürlichen Schlittschuh-Bewegung Gawliks schließlich nicht.

"Wir haben im zweiten Drittel ein paar Minuten verschlafen", sagte ERC-Stürmer Thomas Greilinger treffend. Das nutzte Köln gnadenlos aus: Neuzugang Rob Collins (35./38. Minute) und Philip Gogulla (37.) schossen innerhalb von 200 Sekunden ein 3:0 heraus. Zwar kam Ingolstadt durch Gregory Claaßen (38.) und Robert Sabolic (40.) noch vor der zweiten Drittelpause heran, doch Christopher Minard (44.) machte in Schlussabschnitt in Überzahl alles klar.

"In der Hauptrunde kann man sich mal zehn Minuten erlauben. In den Playoffs und vor allem im Finale darf man nicht einmal fünf Minuten nachlassen", haderte Ingolstadts Nationalspieler Patrick Hager und versprach Besserung: "Aus diesen Fehlern werden wir lernen."

Nach dem Spiel echauffierte sich ERC-Coach Niklas Sundblad an alter Wirkungsstätte über den Videobeweis. "Der Schiedsrichter erklärte mir, dass der Videorichter entschieden hätte, dass es kein Tor war. Normalerweise entscheidet in der Liga der Schiedsrichter. Da muss man die DEL fragen, warum das so ist. Ich wusste nichts davon", sagte der Schwede. Ex-Chef Uwe Krupp erwiderte angesprochen auf den Sachverhalt: "Ich bin vorher informiert worden. Niklas scheint diese Information nicht bekommen zu haben."

Der DEL-Schiedsrichter-Beauftragte Holger Gerstberger vermutete ein "internes Kommunikationsproblem" und erklärte: "Den Videoschiedsrichter gab es erstmals in der Finalserie 2013. Der Beobachter sitzt im TV-Übertragungswagen."

In den bisherigen Playoffs war für den Vorrundenneunten alles wie im Traum gelaufen: Meister Berlin, den Vorrundenzweiten Krefeld und dann auch noch den Vorrundenprimus Hamburg hatte der ERC ausgeschaltet. Nun bezahlte die Truppe Lehrgeld, ähnlich wie die Haie im vergangenen Jahr im Finale gegen den ausgebufften Serienmeister Berlin.

Nach dem knapp verpassten Titel im Vorjahr wollen sich die Haie diesmal nicht mehr stoppen lassen. Der 24 Jahre alte Stürmer Riefers steckte sogar einen äußerst unangenehmen Zwischenfall weg, als er in der 35. Minute einen Puck ans linke Ohr bekam, mit 20 Stichen genäht wurde - und im Schlussdrittel wieder auf dem Eis stand. Für den ersten DEL-Titel seit 2002 gehen die Haie bis an die Schmerzgrenze.