München - Philipp Kohlschreiber enttäuschte, Jan-Lennard Struff überraschte, und von sieben Deutschen waren schon in der ersten Runde vier draußen: Am zweiten Tag des ATP-Turniers in München bot sogar der wechselhafte bayerische April-Himmel mehr Licht als die heimischen Tennisprofis.

Vorjahresfinalist Kohlschreiber scheiterte bei der Sandplatzveranstaltung als aussichtsreichster Deutscher gegen Denis Istomin mit 5:7, 6:2, 4:6. "Vielleicht fehlt mir momentan das Quäntchen Glück", sagte der 30-Jährige, der 2007 in München noch gewonnen hatte. Sonderlich enttäuscht wirkte er dabei aber nicht.

"Das war ein gutes Spiel von beiden, und am Ende war er kaltschnäuziger." Die Oberschenkelzerrung, die ihn in der Vorwoche zur Aufgabe in Barcelona gezwungen hatte, habe ihn nicht behindert, sagte Kohlschreiber. "Das Turnier hier lag mir sehr am Herzen. Aber ich habe ein, zwei "big points" nicht gemacht und meine Chancen im dritten Satz nicht genutzt." Am Ende habe er schwach aufgeschlagen.

Neben Kohlschreiber schieden auch Alexander Zverev beim 1:6, 2:6 gegen den Österreicher Jürgen Melzer, Michael Berrer durch ein 3:6, 5:7 gegen Andreas Seppi aus Italien und Peter Gojowczyk mit 6:3, 4:6, 1:6 gegen den Ukrainer Sergej Stachowski aus. Damit sind nur noch Vorjahressieger Tommy Haas, Dustin Brown und Struff im Turnier.

Der Qualifikant aus Warstein hatte sich gegen den an Nummer sechs gesetzten Spanier Feliciano Lopez mit 6:3, 6:4 durchgesetzt. "Ich habe geduldig gespielt und abgewartet", sagte der 24-Jährige, dem im Gegensatz zu seinem iberischen Rivalen auch das nasskalte Wetter entgegen kam. "Ich fühle mich sehr wohl hier." In der Runde der besten 16 trifft er nun auf Gojowczyk-Bezwinger Stachowski.

Für den erst 17 Jahre alten Zverev war Auftaktgegner Melzer eine Nummer zu groß. Der Youngster aus Hamburg hatte nach seinem Junioren-Titel bei den Australian Open eine Wildcard für München bekommen. "Ich habe erst bei 5:2 im zweiten Satz angefangen, Tennis zu spielen", haderte Zverev, der zu nervös auftrat. Danach war er sichtlich angefressen, vor allem weil Turnierdirektor Patrik Kühnen daran geglaubt habe, dass er auch mal ein Spiel gewinnen könne. "Heute habe ich so ziemlich das Gegenteil bewiesen", fand er.

Zverev war neben Tommy Haas eines der Gesichter des Turniers. Einen anderen prominenten Spieler werden die Fans am Aumeisterweg ebenfalls nicht zu Gesicht bekommen: Gael Monfils musste wegen einer Knöchelverletzung absagen. Monfils und Lopez sind damit die nächsten beiden Ex-Top-15-Spieler, die es bei dem mit 485 760 Euro dotierten Sandplatzevent nicht ins Achtelfinale schafften. Am Montag hatte es Ivo Karlovic, Nikolai Dawydenko und Jarkko Nieminen erwischt.

Für die Favoriten ist die Asche im Norden Münchens damit kein gutes Pflaster: Von den acht gesetzten Spielern sind nur noch der nächste Brown-Gegner Fabio Fognini (1), Haas (2), Michail Juschni (3) und Seppi (7) im Achtelfinale dabei - wobei bis auf den Südtiroler Seppi alle drei anderen ein Freilos in der ersten Runde hatten.