Magdeburg - Zigarette und Babybauch: Im Vergleich zur Wendezeit rauchen inzwischen mehr Schwangere in Sachsen-Anhalt. Dieses Bild zeichnet die Schulanfängerstudie des Landes, die Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) am Dienstag in Magdeburg vorstellte.

16,6 Prozent der befragten Mütter von Kindern, die 2014 eingeschult werden, gaben an, mit Babybauch zur Zigarette gegriffen zu haben. 1991 waren es 11,6 Prozent. 1996 war der Wert auf knapp sechs Prozent gesunken.

Für die Untersuchung waren seit 1991 Daten von fast 39 000 Kindern erfasst wurden. Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft rauchten, hatten laut der Studie häufiger etwa mit Bronchitis zu kämpfen als Gleichaltrige aus Nichtraucherhaushalten.

Bischoff zeigte sich besorgt über die hohe Zahl von rauchenden Schwangeren. "Das ist eine Zahl, die mich nachdenklich macht", sagte der Minister. Netzwerke aus Ärzten und Jugendämtern müssten im Sinne des Kinderschutzes auf die werdenden Mütter einwirken.

Auch die Kitas als Eltern-Kind-Zentren seien gefragt. Im Gegensatz zu den Schulen würden hier viele Eltern noch persönlich vorbeikommen. Man müsse an die Verantwortung der Eltern appellieren, "weil es dem Kind enorm schadet".

Zur Frage rechtlicher Vorschriften äußerte sich Bischoff skeptisch: "Ob man das gesetzlich regeln kann, halte ich für fraglich." Sanktionen gingen ihm zu weit.

Zigarettenqualm trotz Schwangerschaft - dabei ist auch der Bildungsabschluss der Eltern entscheidend: Während nur 3,8 Prozent der Frauen mit hoher Bildung während der Schwangerschaft rauchten, waren es 34,8 Prozent bei jenen mit geringer Bildung.

Die Mütter sind auch zunehmend entscheidend, wenn es darum geht, ob in der Wohnung eine Zigarette angezündet wird. Auf der einen Seite wird immer weniger in Wohnungen geraucht, in denen auch Kinder leben (1991: 58 Prozent, 2014: 14 Prozent). Wenn zur Zigarette gegriffen wird, sind es mit 73 Prozent aber die Mütter; die Väter folgen mit 46 Prozent. 1994 rauchten noch mehr Väter in der Wohnung als Mütter.

Die Umweltfaktoren, die Eltern nicht beeinflussen können - wie weniger Industrieabgase und reinere Luft - wirken sich seit 1991 positiv auf die Atemwege der Kinder aus. Bronchitis und Lungenentzündung sind auf dem Rückzug. Die Kinder, die vor ihrer Einschulung untersucht wurden, leiden inzwischen auch wieder seltener unter allergischen Erkrankungen wie Ekzemen oder Neurodermitis. Bis 1999 war der Anteil der Betroffenen noch gestiegen - bis auf 22 Prozent. Inzwischen ist der Studie zufolge mit 16,5 Prozent wieder das Niveau von 1991 erreicht.

Auch der Anteil von Kindern mit Heuschnupfen ist nach einem Anstieg in den Nach-Wende-Jahren seit 2001 wieder rückläufig. Laut Ministerium ist aber zu berücksichtigen, dass die Schuleingangsuntersuchungen seit 2006 um ein Jahr vorgezogen wurden, die Kinder also jünger sind. Heuschnupfen bricht den Angaben zufolge erst später aus - wenn die Kinder fünf oder sechs Jahre alt sind.

Zugenommen hat der Studie zufolge die Zahl der Kinder mit Hühnerei- oder Kuhmilchallergie. 1994 lag ihr Anteil bei 0,7 Prozent, inzwischen hat er sich auf 2,1 Prozent verdreifacht.

Über 23 Jahre waren für die Expertise Jahr für Jahr die Eltern der künftigen Erstklässler befragt worden. Für die Einschulungsjahrgänge 2011 bis 2014 hatten fast 5100 Kinder und Eltern aus Magdeburg, Halle, Merseburg, Halberstadt und der Altmark teilgenommen. Die Studie sollte vor allem die Gesundheitsentwicklung der Kinder seit der Wende untersuchen. Sie wird nun nach rund 25 Jahren eingestellt. Vergleichbare Erhebungen gibt es laut Ministerium aber weiterhin im Rahmen der regulären Untersuchung von Schulanfängern.