Halle/Westfalen - Den Weltranglistenersten geschlagen, für den großen Wurf reichte es trotzdem nicht: Die Festspiele von Dustin Brown beim Tennis-Rasenturnier im westfälischen Halle sind im Viertelfinale zu Ende gegangen.

Der in Jamaika aufgewachsenen Brown verlor das deutsche Duell mit Philipp Kohlschreiber äußerst knapp mit 4:6, 7:5 und 6:7 (16:18). "Es ist extrem bitter", sagte Brown, der sich erst Stunden nach dem Spiel äußerte. "Jetzt sehe ich das entspannter. Direkt nach dem Match war ich enttäuscht und geschockt", erklärte der 29-Jährige.

Im Achtelfinale hatte er noch den Weltranglistenersten Rafael Nadal (Spanien) sensationell mit 6:4, 6:1 dominiert. "Mein größter Sieg überhaupt", meinte Brown nach seinem Coup. Doch die Freude bei den Gerry Weber Open währte keine 24 Stunden. "Natürlich frage ich mich jetzt: Warum habe ich heute denn keinen meiner fünf Matchbälle verwandelt? Aber ich lerne aus meinen Niederlagen", versicherte Brown.

Dabei zeigte der 29-Jährige aus Celle auch gegen Kohlschreiber hervorragendes Tennis. Wie schon gegen Nadal, gegen den er die Bälle mit unglaublicher Wucht regelrecht über das Netz geprügelt hatte, agierte er im Viertelfinale offensiv und mit viel Risiko. Nicht selten erreichte sogar Browns zweiter Aufschlag Geschwindigkeiten von über 200 km/Std.

"Dustin hat eine tolle Show gezeigt", lobte Kohlschreiber. Trotzdem schlich der Verlierer anschließend mit seinen langen Rasta-Zöpfen und gesenktem Haupt vom Platz - begleitet von Ovationen der rund 10 000 Zuschauer im Stadion. Sein Traum vom ersten Halbfinale bei einem ATP-Turnier war geplatzt.

Kohlschreiber, der erst kürzlich das Turnier in Düsseldorf gewonnen hatte, freute sich hingegen nach dem 2:10 Stunden dauernden Viertelfinal-Krimi. "Das war ein unglaubliches Match. Es war geil, und ich bin froh, dass ich es gewonnen haben", sagte der Augsburger, der erst seinen achten Matchball verwandeln konnte.

Damit erreichte Kohlschreiber zum sechsten Mal das Halbfinale beim Turnier in Halle, das er bislang einmal - 2011 - gewinnen konnte. "Jetzt ist das Finale mein Ziel. Ich will Sonntag noch im Turnier sein", sagte der 31-Jährige. Der Schweizer Rekordsieger Roger Federer erreichte das Halbfinale kampflos. Sein Gegner Yen-Hsun Lu (Taiwan) sagte die Viertelfinalpartie kurzfristig wegen einer Rückenverletzung ab.

Ausgeschieden ist dagegen Davis-Cup-Neuling Peter Gojowczyk. Der Münchner verlor im Viertelfinale gegen den Kolumbianer Alejandro Falla mit 6:7 (4:7) und 6:7 (2:7). Falla trifft nun in der Runde der letzten Acht auf Kohlschreiber. Federer spielt gegen den Weltranglistenzwölften Kei Nishikori aus Japan.