London - So wie Sabine Lisicki wird Andrea Petkovic den Rasen in Wimbledon wohl nie lieben. Lange ließ sie sich von den grünen Stoppeln schnell frustrieren. Die Bälle verspringen häufiger, das ging ihr auf die Nerven. Doch allmählich freundet sich die French-Open-Halbfinalistin mit Rasentennis an.

"Es wird eine langsame Romanze vielleicht, wir müssen uns erst mal kennenlernen", erklärte die 26-Jährige nach ihrem souveränen Auftakt an der Church Road, "es war nicht Liebe auf den ersten Blick."

In diesem Jahr reiste sie mit der Euphorie aus Paris und dem erfolgreichsten Grand-Slam-Turnier ihrer Karriere in die nächste Metropole. Auf dem roten Sand der French Open war sie erstmals ins Halbfinale eines der vier großen Turniere eingezogen.

Im All England Lawn Tennis Club ist die Darmstädterin von solchen Sphären weit entfernt. Ihre erste Kontrahentin, die Polin Katarzyna Piter, hat sie erst mal 6:1, 6:4 besiegt. In ihre Zweitrundenpartie am Donnerstag gegen die Rumänin Irina-Camelia Begu geht sie ebenfalls als Favoritin. Gespielt haben beide noch nie gegeneinander. Danach droht ein Duell mit der kanadischen Aufsteigerin Eugenie Bouchard.

Mehr als zwei Partien hat die nach vielen Blessuren wiedererstarkte Petkovic im Südwesten Londons noch nie erfolgreich bestritten. Selbst in ihrem besten Jahr 2011 mit drei Grand-Slam-Viertelfinals blieb sie in Wimbledon in der dritten Runde hängen. Nun machte "Petko" sich selbst Mut: "Ich fühle mich nicht so schlecht auf Rasen dieses Jahr."

An der langsam wachsenden Zuneigung zum grünen Untergrund hat auch ihr neuer Trainer seinen Anteil. Eric van Harpen, der sie seit Februar betreut, bringt neue Impulse in ihr Spiel. Bei Beinarbeit, Aufschlag und Taktik sieht er indes noch Potenzial.

Am Dienstag wagte die Weltranglisten-20. mehrmals den Ausflug ans Netz, ging sogar das Risiko von Serve and Volley ein und brillierte mit kurz cross gespielten, gefühlvollen Slice-Passierbällen. "Ich weiß aber manchmal auch nicht, was ich da tue", scherzte Petkovic und lobte ihren Coach: "Er ermuntert mich, neue Sachen auszuprobieren. Das habe ich mich vorher nicht getraut."

Nach Wimbledon will der 71-Jährige zu ungewöhnlichen Methoden greifen, um die einstige Nummer neun in den Top Ten zu etablieren. Ein Yoga-Lehrer soll das Körpergefühl verbessern, ein Taekwondo-Coach sie leichtfüßiger und schneller machen. "Beweglichkeit, Schrittkombinationen und Leichtfüßigkeit der Taekwondo-Kämpfer sind beeindruckend", erklärte van Harpen dem "Tennismagazin".

Zunächst einmal will die deutsche Tennisspielerin mit Interesse für Politik, Literatur und Philosophie dem Spiel auf dem grünen Belag mit mehr Geduld und Gelassenheit begegnen. "Ich hoffe, dass ich das irgendwann hinkriege und meine Hassliebe zu Rasen überwinde", erklärte Petkovic und verwies auf einen Negativpunkt: "Man muss auch akzeptieren, dass man Spiele verliert, die man auf Sand nicht verloren hätte". Nur am Donnerstag lieber noch nicht.