London - Wieder einmal war Philipp Kohlschreiber seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht worden, wieder einmal hatte er eine große Chance bei einem wichtigen Tennis-Turnier vergeben.

Der 30-Jährige verlor in der zweiten Runde von Wimbledon in fünf Sätzen mit 6:4, 4:6, 3:6, 6:2, 5:7 gegen den italienischen Außenseiter Simone Bolelli - trotz einer starken kämpferischen Leistung.

Nach einem 1:2-Satzrückstand und einer zwischenzeitlichen Behandlungspause hatte der Augsburger noch einmal ausgeglichen, doch am Ende musst er seinem Gegner enttäuscht und niedergeschlagen gratulieren. Kohlschreibers Name taucht im Turniertableau unter den letzten 32 aber nicht mehr auf.

Wegen der verletzungsbedingten Absage des Routiniers Tommy Haas war Kohlschreiber bei den Herren der deutsche Hoffnungsträger gewesen. Mehrmals lag Kohlschreiber auf Nebenplatz 17 zurück, immer wieder kämpfte er sich wieder heran. Aber nach dem Break zum 5:6 im fünften Durchgang war er geschlagen.

An dem Großkampftag der Deutschen mit weiteren Partien von Andrea Petkovic, Sabine Lisicki und Angelique Kerber sowie Julian Reister hatte der favorisierte Kohlschreiber anfangs Mühe, seinen Rhythmus zu finden. Auf dem an der Grundlinie schon deutlich abgenutzten Rasen wirkte der in der Weltrangliste 104 Plätze hinter ihm positionierte Italiener präsenter, spielte konstanter und aggressiver. Statt selbst das Spiel zu bestimmen, wurde Kohlschreiber immer wieder in die Defensive gedrängt. So musste er reagieren statt agieren, haderte und blickte unzufrieden drein.

1:4 lag er in Satz eins schon zurück, ehe der Turniersieger von Düsseldorf mit der dritten Chance seinen zwei Jahre jüngeren Kontrahenten breakte. Bolelli ließ die Schultern hängen, Kohlschreiber gewann nach 36 Minuten Satz eins.

Nachdem der Augsburger den zweiten Durchgang abgebeben hatte, unterliefen ihm allerdings auch anschließend zu viele Fehler. Im dritten Durchgang musste er ein Break zum 0:2 hinnehmen. Drei Spiele später lag er auf dem Boden und ließ sich am Rücken behandeln. Um den dritten Satz noch zu drehen, half das nicht. Kohlschreiber steckte zwar nicht auf, holte sich Satz vier, verpasste aber bei seiner 10. Teilnahme an der Church Road am Ende zum sechsten Mal Runde drei. Im vergangenen Jahr hatte Kohlschreiber in der ersten Runde krankheitsbedingt aufgeben müssen, 2012 kam er in London bis ins Viertelfinale.

Am Vortag waren Benjamin Becker, Tim Pütz und Mona Barthel daran gescheitert, den Sprung in Runde drei zu schaffen. Von den insgesamt 15 deutschen Teilnehmern im Hauptfeld waren bei dem mit 31,3 Millionen Euro dotierten Grand-Slam-Turnier nur acht in die zweite Runde eingezogen.