Frankfurt/Main - Gleich zu Beginn der Amtszeit hat sich der neue DEB-Präsident Franz Reindl hohe Ziele gesteckt. Trotz der jüngsten sportlichen Talfahrt und der wirtschaftlichen Probleme des Deutschen Eishockey-Bundes soll das Nationalteam spätestens ab 2026 dauerhaft um WM-Medaillen spielen.

"Die anderen Nationen lachen sich doch über uns kaputt: Wir mit unseren 80 Millionen Einwohnern, als Organisationstalente, schaffen es nicht, konkurrenzfähig zu sein", sagte der Ex-Nationalspieler nach seiner Wahl am Samstag in Frankfurt.

2013 verpasste das DEB-Team erstmals die Olympia-Qualifikation, bei der WM 2014 reichte es nur zum kläglichen 14. Platz. Reindls erste Amtshandlung auf dem Weg zu neuer Stärke soll das Ende der Doppelfunktion von Pat Cortina als Bundestrainer und Sportdirektor sein. Der Italo-Kanadier wird künftig nur noch als Coach arbeiten. "Das machen wir schnell, damit wir die neue Saison der Nationalmannschaft schon zielgerichtet angehen können", kündigte Reindl an. Wer künftig Sportdirektor wird, ist aber noch unklar.

Reindl, früher selbst lange Jahre DEB-Sportdirektor, bezeichnete diese Personalie noch als das "kleinste Problem". In der Tat sind die Herausforderungen für den Nachfolger des umstrittenen Uwe Harnos noch größer als die schon hohen Erwartungen. Der von den Proficlubs zur Kandidatur verführte 59-Jährige hatte bei der Mitgliederversammlung noch halbwegs leichtes Spiel. Nach dem Rückzug des arg kritisierten Harnos aus gesundheitlichen Gründen war der Weg für Reindl frei.

Deutlicher schwieriger wird der Weg, der nun vor Reindl und seinen neuen Mitstreitern Daniel Hopp, Berthold Wipfler und Marc Hindelang liegt. "Die größte Baustelle ist, das Wirtschaftliche in den Griff zu bekommen", erkannte Reindl nach einer bemerkenswerten Versammlung in der temperierten Mehrzweckhalle des Landessportbundes Hessen.

Bei so gar nicht eishockey-typischen Außentemperaturen von weit mehr als 30 Grad arbeiteten sich die Mitglieder hinter verschlossenen Türen an der schwierigen Finanzlage des DEB ab. Das alte Präsidium gab noch einmal eine schlechte Figur ab und wollte einige Dinge unter Verschluss halten. Entgegen alter Gepflogenheiten bestanden Harnos und Co. auf Nicht-Öffentlichkeit und sperrten die Medien aus.

Auf den stickigen Fluren vor der Halle war dennoch alles gut zu verstehen. Etwa dass die Mitglieder dem alten Präsidium die Entlastung verweigerten, weil die vergangenen Jahresabschlüsse bilanzrechtliche Fehler aufwiesen. Trotz Nachfragen zur aktuellen Finanzlage des klammen Verbandes gab es keine Antworten. "Ich kenne mich nicht aus mit Veröffentlichungspflichten. Mir fehlt auch der steuerliche Sachverstand", rechtfertigte sich Harnos.

Aktuell kalkuliert der DEB mit einem jährlichen Minus von 250 000 Euro. Die rund zwei Millionen Euro Einnahmen aus der Heim-WM 2010 sind nahezu aufgebraucht. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll nun die Finanzen durchleuchten. "Dann können wir einen Plan machen und sehen, wie lange wir zur Gesundung brauchen", kündigte Reindl an. Der für den Bereich Finanzen zuständige neue Vizepräsident Wipfler gab sich aber optimistisch, die Probleme in den Griff zu bekommen: "Wir pfeifen nicht aus dem letzten Loch", sagte der Steuerberater: "Wir haben aber Defizite im nachhaltigen Bereich."

Um diese zu lösen und die hohen sportlichen Ziele erreichen zu können, sollen künftig die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und die Landesverbände stärker zur Kasse gebeten werden. "Wir brauchen mehr Solidaritätsbeiträge für den DEB, damit wieder alles rund läuft", sagte Wipfler. Die Voraussetzungen dafür, dass dieses heikle Unterfangen auch gelingt, sind durch die Einbindung von Adler-Mannheim-Geschäftsführer Hopp gut. "Es ist klar, dass jeder seine Verantwortung tragen muss", sagte der Sohn von SAP-Gründer Dietmar Hopp, der zudem im Aufsichtsrat der DEL sitzt.