Halle - Trotz bundesweiter Kritik aus der Theaterszene hat Sachsen-Anhalt seine Theaterverträge mit massiven Kürzungen unter Dach und Fach gebracht. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) und Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) setzten am Donnerstag ihre Unterschriften unter den letzten der insgesamt neun Verträge. Unterdessen wurde der Job des promintesten Kritikers des Sparkurses, des Generalintendanten des Anhaltischen Theaters Dessau, André Bücker, neu ausgeschrieben.

Das Land Sachsen-Anhalt gibt nun bis 2018 jährlich regulär 30 Millionen Euro für Theater und Orchester aus, bislang waren es 36 Millionen. Hinzu kommen allerdings Sondermittel für geplante Strukturveränderungen und die Zusage, bei Tarifsteigerungen künftig mehr Geld zu bezahlen. Kommunen wie Halle oder Dessau-Roßlau wollen im Gegensatz zum Land ihre Zuschüsse erhöhen und die Kürzungen damit ausgleichen.

Dorgerloh lobte die Abschlüsse. "Alle Theater wissen jetzt, woran sie sind und können mit fünf Jahren Sicherheit rechnen." Mit der erstmals vom Land zugesagten Anpassung der Zuschüsse für die Erhöhung von Tarifen werde vermieden, dass die Theater und Orchester am Ende der Vertragslaufzeit erneut vor einem strukturellen Defizit stünden.

Halles Oberbürgermeister Wiegand sagte, die Stadt werde etwa fünf Millionen Euro zusätzlich in die Hand nehmen müssen. "Wir liegen dann bei einem Zuschuss von 21 auf 26 Millionen Euro. Das ist uns die Kultur wert", sagte er. Der reguläre jährliche Landeszuschuss sinkt dort von zwölf auf neun Millionen Euro. Laut Wiegand sind unter dem Strich trotzdem Kürzungen notwendig. "Es wird zu Einschneidungen kommen, im personellen Bereich. Das ist bedauerlich", sagte Wiegand.

In Dessau-Roßlau sorgt derweil die Neuausschreibung der Stelle des Generalintendanten Bücker für Wirbel. Der Vertrag war wegen der unsicheren Zukunft des Theaters zunächst nicht verlängert worden, die Stelle wurde nun ausgeschrieben. "Das ist ganz klar eine Sache der Stadt", sagte Dorgerloh zum Verfahren. "Wir sehen das mit Interesse, wie sich das weiter entwickelt." Laut Stadt kann sich Bücker auch selbst erneut bewerben.

Der Betroffene reagierte gelassen auf die Nichtverlängerung seines Vertrages. "Ich bin entspannt, ich weiß, was ich kann", sagte Bücker der "Mitteldeutschen Zeitung". Er werde nicht kämpfen oder um Gnade betteln. "Die Entscheidung hat nichts mit meiner Eignung zu tun", ergänzte der Generalintendant. "Wenn man mich nicht mehr will, will man mich nicht mehr. Betteln wäre würdelos."

Die Linksfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt kritisierte, dass der Vertrag mit Bücker nicht verlängert wurde. "Nach Philipp Oswalt darf jetzt nicht die zweite kulturpolitische Größe die Stadt und möglicherweise auch das Land verlassen", sagte der Abgeordnete Stefan Gebhardt mit Verweis auf den früheren Bauhaus-Direktor Oswalt, dessen Vertrag ebenfalls nicht verlängert worden war.

In Dessau-Roßlau hatte das Land seine Zuschüsse ebenfalls gekürzt, die Stadt ihr finanzielles Engagement dagegen erhöht. Bislang hatten Stadt und Land nach Angaben der Stadt jeweils rund die Hälfte der Zuschüsse von zusammen 16 Millionen Euro gezahlt. Künftig werde das Land einschließlich Stuktur-Anpassungen weniger als sieben Millionen Euro geben, die Stadt aber dann mehr als zehn Millionen Euro aufwenden. "Durch die höhere Finanzierung der Stadt wird das ausgeglichen", sagte Stadtsprecher Carsten Sauer. Ursprünglich war auch diskutiert worden, ob einige der vier Sparten des Hauses geschlossen werden müssen.

Die Kürzungen des Landes hatten bei Theaterverbänden bundesweit für Proteste gesorgt. Erst kurz vor der letzten Vertragsunterzeichnung forderte die Deutsche Orchestervereinigung erneut den Rücktritt von Kultusminister Dorgerloh.