Irvine - Katie Ledecky stellte über die 400 Meter Freistil in 3:58,86 Minuten einen neuen Weltrekord auf, Michael Phelps präsentierte sich im kalifornischen Irvine nicht in Siegform.

Die 17-Jährige aus Washington schwimmt bei den US-Titelkämpfen allen davon, Superstar Phelps hingegen nur hinterher. Über seine Nebenstrecken 100 Meter Freistil und 100 Meter Rücken wurde er Siebter und Sechster. Der dreimalige Olympiasieger und Weltrekordhalter musste zudem auf seiner Lieblingsstrecke 100 Meter Schmetterling eine knappe Niederlage einstecken.

In 51,30 Sekunden kam er nach einem verpatzten Anschlag eine Hundertstelsekunde hinter Tom Shields als Zweiter ins Ziel. "Ich hasse es zu verlieren, mir ist es egal, ob mit einer Hundertstel oder fünf Sekunden. Aber das wird mich definitiv motivieren", sagte Phelps, der im Vorlauf in 51,17 noch Weltjahresbestzeit geschwommen war.

"Das Schwerste ist für mich, wieder in den Rhythmus zu kommen und bei den Wenden sowie beim Anschlag die Entfernung zum Beckenrand richtig einzuschätzen", meinte der 18-fache Olympiasieger. Die Probleme sind nicht verwunderlich. Nach den Sommerspielen 2012 in London trat er zurück, genoss das Leben, reiste um die Welt, spielte Golf. Im April entschied sich Phelps für ein Comeback. "Er hat mehr als ein Jahr gar nichts gemacht. Das ist eine lange Zeit", betonte sein Trainer Bob Bowman.

Er hat bei seinem Schützling neben fehlender Ausdauer und Wettkampfhärte sogar "Nervosität" ausgemacht. "Er weiß, dass die anderen Jungs alle heiß sind und er weiß auch, dass er nicht so viel in der Vorbereitung getan hat, wie üblich", so Bowman. Phelps, so der Coach, brauche mehr Training. Durch seinen zweiten Platz über die 100 Meter Schmetterling ist er beim US-Jahreshöhepunkt, den Panpazifischen Spielen vom 21. bis 25. August in Australien, dabei.

Gesetzt ist dann auch Katie Ledecky. Die Dominatorin auf der Freistil-Strecke triumphierte nach ihren Titeln über die 800 und 200 Meter auch über die 400 Meter. Dabei blieb sie in 0,29 Sekunden unter dem Weltrekord von Federica Pellegrini, den die Italienerin 2009 bei der WM in Rom noch im Hightech-Anzug aufgestellt hatte. "Ich hatte den Rekord im Kopf, aber habe mich dadurch nicht verrückt machen lassen. Ich war sehr relaxt und das hat mir sicherlich geholfen", meinte Ledecky nach ihrem Weltrekord-Hattrick.

Am 19. Juni hatte sie ihre globale Bestmarke über die 1500 Meter um 2,3 Sekunden verbessert. Drei Tage später pulverisierte der Teenager den eigenen 800 Meter Freistil-Weltrekord gar um 2,86 Sekunden. Trotz ihrer famosen Form gab sich die viermalige Weltmeisterin des Vorjahres in der Mixed-Zone des Woollett Aquatic Centers bescheiden und fast ein wenig zurückhaltend.

Die Frage nach ihrer Lieblings-Distanz blieb natürlich nicht aus. Aber kann jemand, der Weltmeisterin und Weltrekordhalterin über die 400, 800 und 1500 Meter Freistil ist, überhaupt eine Strecke favorisieren? Nein, sagt Ledecky. "Die 800 Meter waren bislang mein Favorit, denn da habe ich Olympia-Gold gewonnen. Aber ich liebe die 400 Meter mittlerweile ebenso."