Berlin - Angela Maurer kämpfte mit allem, was sie hatte. Auf den letzten 250 Metern der 25 Kilometer beharkten sich die 39 Jahre alte Schwimmerin und die Ungarin Anna Olasz im Schlussspurt um Silber verbissen mit vollem Körpereinsatz.

Im Ziel nutzte all die Erfahrung der WM-Zweiten aus Mainz nichts mehr: 0,4 Sekunden fehlten auf Silber. "Ich bin superfroh, dass es eine Medaille geworden ist. Das ist für mich ein versöhnlicher Abschluss, dass ich es noch kann", sagte Maurer nach 5:19:21 Stunden im Wasser auf der Regattastrecke in Berlin-Grünau. Weltmeisterin Martina Grimaldi aus Italien lag ungefährdet vorn.

Andreas Waschburger verpasste beim Sieg des Franzosen Axel Raymond Bronze nur um 1,6 Sekunden. "Nach fünf Stunden mit der Holzmedaille rauszugehen, ist schon deprimierend", sagte der 27-Jährige aus Saarbrücken. Alexander Studzinski wurde Sechster. Tags zuvor hatte Team-Weltmeister Deutschland beim Sieg der Niederländer Platz drei belegt.

Insgesamt verbuchte die Freiwasser-Sparte sechs Medaillen und damit deutlich mehr als der mit dem Deutschen Olympischen Sportbund DOSB vereinbarten Zielkorridor von drei- bis viermal Edelmetall. "Das war eine rundum geklungene EM für uns", sagte Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz nach einmal Gold, zweimal Silber und dreimal Bronze. Da konnte es das Team auch verschmerzen, dass Finnia Wunram und Christian Reichert ihre Rennen vorzeitig beendeten.

Isabelle Härle musste sich mit Bronze im Team-Event erst einmal anfreunden. "Scheiße, es ging nicht schneller, wir wollten Gold", sagte die Einzel-Europameisterin spontan nach dem dritten Platz über fünf Kilometer. Erst nach einigen Augenblicken fand die Essenerin ihr strahlendes Lächeln wieder und freute sich auch am Sonntag "wie ein Keks" über die Medaille. "Ich war noch so fertig von den fünf Kilometern im Einzelrennen. Ich bin froh, dass wir Gott sei Dank noch \'ne Medaille haben", resümierte die Team-Weltmeisterin.

Rekordweltmeister Lurz, Härle und der EM-Zweite Rob Muffels fehlten 27 Sekunden im Zeitrennen auf das mitfavorisierte Trio aus den Niederlanden. Zweite wurde die Formation aus Griechenland. Nur 1,2 Sekunden hinter Deutschland kam Ungarn auf Rang vier ins Ziel.

"Unter den Umständen war es heute das Beste, was wir hätten rausholen können. Man muss sportlich fair sein: Die Niederländer waren einen Tick besser, wir knapp Dritter, hätten aber auch knapp Vierter werden können und von daher muss man auch mit der Bronzemedaille zufrieden sein", sagte Lurz, der auf die abschließenden 25 Kilometer nach drei Medaillen in Berlin verzichtete. Vor einem Jahr hatte er zusammen mit Härle und Christian Reichert Mannschaftsgold bei der WM in Barcelona gewonnen.

Glatt lief aber längst nicht alles für die Freiwasser-Spezialisten, erst recht nicht vor dem Teamrennen. Härles Anzug war zehn Minuten vor dem Start gerissen, in aller Eile musste sie einen Ersatzanzug anziehen. "Der war zwar gebraucht von gestern und mit Vaseline und allem Schnickschnack voll, aber besser als nichts", sagte Stefan Lurz. "Das war alles ein bisschen hektisch", berichtete Härle, die in der kommenden Woche auch bei den Beckenwettbewerben im Velodrom über 1500 Meter Freistil starten wird. Für 2015 erwartet Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz mit Blick auf die Olympia-Qualifikation ihre Konzentration auf die 10 Kilometer.

Als Zuschauerin feuerte Natalie Charlos das polnische Trio an. Die 21-Jährige war am Mittwoch beim Einzel-Rennen über zehn Kilometer kollabiert und musste aus dem Wasser gerettet werden. Die Nacht hatte die in Elmshorn trainierende Olympia-15. daraufhin zur Sicherheit in einem Krankenhaus verbracht.