Triest - Kapitän Margareta Kozuch starrte mit leerem Blick vor sich hin, Bundestrainer Giovanni Guidetti bemühte sich nach dem frühzeitigen WM-Aus um eine sachliche Analyse. Nach ihrer fünften Niederlage in Italien gehen die deutschen Volleyballerinnen endgültig auf WM-Abschiedstournee.

Die Mannschaft von Guidetti unterlag in einem Krimi gegen den Weltranglisten-Dritten aus Japan mit 2:3 (25:23, 24:26, 19:25, 25:16, 11:15) und kann damit auch rein rechnerisch die Finalrunde der besten sechs Mannschaften in Mailand nicht mehr erreichen.

"Das Team steckt in einer schwierigen Situation. Das ist ein echt schwerer Moment für die Mannschaft", resümierte Guidetti. "Die Mannschaft hat nochmal gekämpft, alles probiert, aber eben wieder verloren." Kozuch war tief enttäuscht. "Wir haben bis zum Schluss gekämpft", sagte sie. "Wir wollten mit einem Sieg etwas entspannter in die nächsten Spiele gehen."

In den letzten beiden Partien in Gruppe E am Samstag gegen den EM-Dritten Belgien und tags darauf gegen Außenseiter Aserbaidschan kann das mit Medaillenambitionen in die Endrunde gestartete DVV-Team in Triest nun nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

"Die erfahrenen Spielerinnen haben sehr hohe Ansprüche an sich selbst, was dazu geführt hat, dass sie sich im Kopf blockiert haben", hatte die langjährige Mentaltrainerin Andrea Klusendick zur psychischen Verfassung der DVV-Frauen vor deren siebter WM-Partie gesagt. "Sie denken viel zu viel während des Spiels, als den Flow zu erreichen und zu genießen. Das bremst sie."

In Fahrt kam U2-Fan Guidetti hingegen schon beim Aufwärmen der Teams, als die Musik seiner Lieblingsband gespielt wurde. Wie schon gegen China agierte er an der Seitenlinie deutlich bedachter. "Er ist ein emotionaler Typ. Die Älteren kennen ihn schon länger, und die Jüngeren gewöhnen sich langsam daran", beschrieb Klusendick. "Aber wir haben auch darüber gesprochen, dass es hilft, mehr die Ruhe zu bewahren."

Genau das tat auch die deutsche Truppe, die anfangs mit den Asiatinnen gehörige Probleme hatte. Nach einem 13:14-Rückstand machten Kapitän Kozuch, die im Angriff einfach ihren Rhythmus nicht fand, und ihre Teamkolleginnen jedoch acht Punkte in Serie. Maren Brinker verwandelte dann den zweiten Satzball.

Der WM-Siebte von 2010 musste sich gegen die nimmermüden Japanerinnen auch im zweiten Durchgang jeden Punkt hart erkämpfen. Beim 16:15 nahm Guidetti schließlich seine erste Auszeit - es blieb zäh. Nach Einsatz des Video-Beweises wurde dem DVV-Team um die gute Mittelblockerin Christiane Fürst der Punkt zum 22:20 aber nicht gegeben. Japan schnappte sich stattdessen den Abschnitt mit 26:24.

Den Start in Satz drei verschlief der EM-Zweite und hechelte permanent einem Rückstand hinterher (0:5, 4:10, 13:18, 15:22). Guidetti ließ immer wieder frustriert die Schultern hängen.

Einen Tag nach der Auftaktniederlage in der zweiten Runde gegen China (0:3) gaben sich die deutschen Schmetterkünstlerinnen im vierten Durchgang gegen Japan nicht auf und erzwangen einen fünften Satz. Und auch dort zeigten Kozuch & Co. große Moral. Um das vorzeitige WM-Aus zu verhindern, reichte das jedoch nicht mehr.