Pretoria - Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius muss für fünf Jahre ins Gefängnis. Richterin Thokozile Masipa verurteilte den Sportler in Pretoria wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp.

Der Prothesen-Sprinter akzeptiere das Urteil, sagte sein Onkel Arnold Pistorius vor Reportern. Steenkamps Familie zeigte sich zufrieden mit dem Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft prüfte hingegen die Möglichkeiten einer Berufung. Sie hat damit bis zu zwei Wochen Zeit.

Pistorius hatte Steenkamp im Februar 2013 mit vier Schüssen durch die geschlossene Badezimmertür getötet. Das Gericht glaubte Pistorius, dass er seine Partnerin mit einem Einbrecher verwechselt habe. Masipa hatte bereits am 12. September die Mordanklage zurückgewiesen.

Die Richterin verurteilte den behinderten Sportler zudem wegen eines anderen Falls zu drei Jahren Haft wegen rücksichtslosen Gebrauchs einer Waffe. Diese Strafe wurde auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Pistorius hatte im Januar 2013 in einem Restaurant einen Schuss abgegeben.

Pistorius, der sich im Verfahren immer sehr mitgenommen gezeigt hatte, nahm sein Urteil mit unbewegter Miene entgegen. Weder seine noch Steenkamps Familie zeigten eine Reaktion. Die Strafe soll der 27-Jährige im Zentralgefängnis von Pretoria verbüßen. Der Olympia-Starter wurde noch im Gerichtssaal in Haft genommen. Beamte nahmen ihm Fingerabdrücke ab. Dann hatte er Gelegenheit, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Falls die Staatsanwaltschaft Berufung einlegt, würde dies die Vollstreckung der Gefängnisstrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen. Die Haftstrafe kann bei guter Führung bereits nach zehn Monaten in Hausarrest umgewandelt werden, wie Rechtsexperten erklärten.

Richterin Masipa betonte bei der Verkündung des Strafmaßes, Pistorius habe grob fahrlässig gehandelt - auch wenn er hinter der Toilettentür nicht seine Freundin, sondern einen Einbrecher vermutet hatte. Sie hatte Pistorius am 12. September lediglich der fahrlässigen Tötung schuldig befunden. Dafür hätte sie nach südafrikanischem Recht eine Höchststrafe von 15 Jahren verhängen können.

"Oscar wird diese Möglichkeit nutzen, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben", sagte Pistorius\' Onkel nach dem Richterspruch. Die Familie sei bereit, den Sportler zu unterstützen und anzuleiten. Steenkamps Vater Barry betonte: "Wir haben das Gefühl, dies nun hinter uns lassen zu können." Der Anwalt der Familie erklärte, der Gerechtigkeit sei genüge getan worden.

Ein Sprecher der Nationalen Strafverfolgungsbehörde sagte jedoch, es werde geprüft, ob Pistorius nicht doch wegen Mordes verurteilt werden müsste. Die Frauenliga des regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANCWL) kritisierte das Strafmaß. "Wir waren nie einverstanden damit, dass Pistorius nur wegen fahrlässiger Tötung belangt wird. Und wir fordern die Staatsanwaltschaft auf, Berufung einzulegen", sagte ANCWL-Sprecherin Jacqui Mofokeng.

Die Anklage hatte eine mindestens zehnjährige Haftstrafe verlangt. Die Verteidigung hatte gefordert, dem Behindertensportler wegen aufrichtiger Reue das Gefängnis zu ersparen und ihm lediglich Hausarrest aufzuerlegen. Pistorius habe alles verloren - seine Lebensgefährtin, seine Freunde, sein Vermögen und seine Karriere.

Die Richterin erklärte, auch Behinderte könnten eine Gefängnisstrafe absolvieren. "Es wäre ein trauriger Tag, wenn der Eindruck entstünde, dass es ein Gesetz für die Armen und eines für die Reichen und Berühmten gibt", sagte Masipa.