Stuttgart - Die Bayern buhlen bislang noch nicht um ihn, aber Bundestrainer Joachim Löw hat ihn bereits auf dem Zettel. Timo Werner gilt als eines der größten Talente - nicht nur beim VfB Stuttgart, sondern in der Fußball-Bundesliga insgesamt.

Mit gerade einmal 17 Jahren hat es das Supertalent vor dem Süd-Schlager gegen den deutschen Rekordmeister München auf 15 Spiele gebracht. Und nicht nur wegen seiner vier Tore und vier Vorlagen sorgte Werner dabei für Furore. "Timo hat sich in dem halben Jahr unglaublich entwickelt", bescheinigte VfB-Trainer Thomas Schneider dem Kronjuwel der Schwaben eine beeindruckende Leistungsexplosion. "Er zeigt wenig Schwankungen und liefert ein konstant gutes Niveau."

Kein Wunder, dass einige Experten Werner als Kandidaten für die WM sehen. Unlängst meinte selbst Löw mit Blick auf Brasilien und die Verletzungsprobleme seiner etatmäßigen Spitzen Miroslav Klose und Mario Gomez, man solle "den jungen Stürmer aus Stuttgart nicht vergessen". Werner ehrt derartiges Lob, auch wenn er weit davon entfernt ist, dies als realistische Perspektive einzuschätzen.

"Träumen sollte erlaubt sein", sagte der gebürtige Stuttgarter dazu vor kurzem nur in einem Interview auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). "Aber für mich gilt erst einmal, beim VfB gute Leistungen abzuliefern und mit der Mannschaft eine erfolgreiche Rückrunde abzuliefern."

Was ihn betrifft, ist der technisch begabte, schnelle und torgefährliche U 19-Nationalspieler auf dem besten Weg, was man über den VfB derzeit nicht sagen kann. Seit seinem Treffer beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt am sechsten Spieltag ist er der jüngste Torschütze der Bundesliga-Geschichte. Und mit seinem Doppelpack beim prestigeträchtigen 3:1-Erfolg im Landesderby gegen den SC Freiburg im November ist er auch jüngster Doppeltorschütze. Sein Marktwert wird schon jetzt auf vier Millionen Euro geschätzt.

Kein Wunder, dass bereits mehrere Top-Clubs an dem Ausnahmetalent interessiert sind. "Er weckt sicherlich Begehrlichkeiten", weiß auch Schneider. Der VfB will laut Präsident Bernd Wahler jedoch "bis an unsere Schmerzgrenze" gehen, um das Eigengewächs zu halten. Wenn Werner am 6. März 18 Jahre alt wird, soll er einen Profivertrag erhalten. Er selbst versichert, sich über einen Wechsel "überhaupt keine Gedanken" zu machen. Erst will er sich bei seinem Heimatclub etablieren. Zudem muss er sich parallel zum Vollzeitjob Fußball auf das Abitur vorbereiten. "Da bleibt wenig Zeit für andere Dinge", berichtete Werner von einem voll ausgelasteten Tagesablauf.

Welche Wertschätzung Werner beim VfB bereits genießt, zeigte sich auch beim traditionellen Neujahrsempfang. Dort stand er bei einer Talkrunde neben Sportvorstand Fredi Bobic, der VfB-Legende Hermann Ohlicher und dem aktuellen Kapitän Christian Gentner den etwa 1300 geladenen Gästen Rede und Antwort.

Mit seinen teilweise unbekümmerten, frischen und spontanen Statements sorgte der sympathische Blondschopf für viele Lacher und redete sich buchstäblich noch mehr in die Herzen des roten Anhangs. Geht es nach den Fans, könnte der Jungspund schon jetzt einen Rentenvertrag bei ihrem "Vau-eff-Bee" unterschreiben.

"Es ist schon erstaunlich, wie cool er mit der ganzen Situation umgeht", sagte Schneider. Nicht nur dem Trainer gefällt, wie gelassen der bescheidene Bursche mit "dem gewissen Hype umgeht, der um ihn entstanden ist. Das ist schon beeindruckend für sein Alter."