Frankfurt/Main - Derby - nein danke. Vor dem Duell mit dem kleinen Nachbarn FSV Mainz 05 spielen vor allem die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt die Brisanz herunter.

"Ich bin nicht unbedingt im Derby-Fieber. Man sollte das auch nicht so hoch hängen. Entscheidend ist, dass wir die nötigen Punkte einfahren", sagte Sportdirektor Bruno Hübner am Freitag in Abwesenheit von Armin Veh. Der Eintracht-Trainer stand einen Tag vor dem Rhein-Main-Derby stundenlang in einem Autobahn-Stau und konnte sich daher gar nicht öffentlich äußern.

Das taten dafür seine Spieler. "Ich weiß gar nicht, warum vor dem Spiel gegen Mainz so ein Spektakel gemacht wird. Das echte, richtige Derby ist gegen Offenbach. Da ist viel mehr Brisanz drin, da war immer mächtig Gänsehaut. Das kann man mit Mainz nicht vergleichen", sagte Frankfurts Defensivmann Marco Russ.

Thomas Tuchel kann über solche Aussagen nur schmunzeln. Der Mainzer Coach weiß, was auf seine Mannschaft an diesem Samstag (15.30 Uhr) zukommt. "Es ist müßig darüber zu diskutieren, ist das jetzt ein Derby oder ist das kein Derby. Die Stimmung wird besonders sein, denn es ist natürlich eine gewisse Rivalität da. Die Emotionalität kommt von ganz allein. Spätestens wenn Attila beim Aufwärmen über unseren Köpfen kreist", erklärte Tuchel. Adler Atilla ist das lebende Maskottchen der Eintracht.

Dass es kein normales Spiel ist, machten die vielen kleinen Sticheleien im Vorfeld deutlich. "Wir sind sicher nicht zwölf Punkte schlechter", behauptete Eintracht-Coach Armin Veh mit Blick auf die Tabelle. Die weist die Mainzer als Siebten mit Tuchfühlung zu den Europa-League-Plätzen aus. Frankfurt ist Elfter und noch immer nicht ganz aus dem Abstiegskampf heraus.

Kein Wunder, dass die Veh-Truppe auf Revanche für die schmerzliche 0:1-Niederlage im Hinspiel brennt. "Wir brauchen noch Punkte, deshalb wollen wir vor heimischer Kulisse den Spieß umdrehen. Wir nehmen das Spiel extrem wichtig, sind heiß und wollen gewinnen", sagte Russ.

Doch auch die Gäste haben Großes vor, zumal Tuchel um die Bedeutung eines Sieges weiß. "Es ist doch klar, dass der gegen Frankfurt für unsere Fans süßer schmeckt. Deshalb werden wir alles dafür tun, ihnen diesen Sieg auch zu schenken. Wir fühlen uns in der Lage, die Punkte zu klauen", sagte der 40-Jährige.

Die Eintracht will das mit allen Mitteln verhindern, ist sie in dieser Saison doch nicht nur sportlich ins Hintertreffen geraten. Auch in der TV-Tabelle stehen die Mainzer weit vor den Hessen und nehmen aus der Inlandsvermarktung der Deutschen Fußball Liga rund 28 Millionen Euro ein. Die Eintracht bringt es nur auf 21 Millionen Euro.

Zuletzt schnappten sich die 05er sogar den von mehreren Vereinen begehrten Südkoreaner Ja-Cheol Koo, um den sich auch die Eintracht bemüht hatte. Das kam bei Veh gar nicht gut an. "Ich habe damit ein Problem, einen kleineren Etat zu haben als Mainz. Die haben inzwischen mehr Geld für den Kader", behauptete der zum Saisonende scheidende Eintracht-Coach fälschlicherweise. Denn Frankfurt macht immer noch mehr Umsatz und hat auch den höheren Lizenzspieleretat.

Dank einer klugen Transferpolitik und neuer Einnahmequellen wie der heimischen Coface Arena hat Mainz den Rückstand jedoch deutlich verkürzt und dem Rivalen teilweise den Rang abgelaufen. "Wir haben in der Vergangenheit in Steine investiert, in dieser Saison in die Zukunft der Mannschaft", erklärte Mainz-Manager Christian Heidel.

In Frankfurt verfolgt man diese Entwicklung sehr aufmerksam. "Ich sehe die Mainzer mit uns mindestens auf Augenhöhe und derzeit sogar ein Stück weiter vorne", sagte Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner und räumte ein: "Zwölf Punkte Rückstand - das ist ein extremer Abstand." Auf dem Rasen wollen die Hessen diesen Trend zumindest für 90 Minuten widerlegen.