Rio de Janeiro - Luiz Felipe Scolari hat nach Angaben des TV-Senders "Globo" sein Amt als brasilianischer Fußball-Nationaltrainer niedergelegt und damit die überfälligen Konsequenzen aus einer am Ende desolaten Fußball-WM gezogen.

Der 65-Jährige habe am Sonntag seinen Rücktritt beim brasilianischen Verband eingereicht, der diesen akzeptierte. Eine Bestätigung vom CBF gab es zunächst nicht, sie wird aber für diesen Montag erwartet. Damit endet die gescheiterte Mission Scolaris, der bei der WM 2002 noch mit der Seleção triumphiert hatte.

Sein Vertrag hätte nach der Weltmeisterschaft ohnehin geendet. Der Rekord-Weltmeister hatte sich zuletzt mit dem 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland - der höchsten Länderspiel-Niederlage überhaupt in der 100-jährigen Geschichte der CBF - und mit dem 0:3 gegen die Niederlande im Spiel um Platz drei blamiert. Der angepeilte sechste WM-Titel wurde verpasst.

Scolari hatte nach dem so schwachen Abschneiden beim Heimturnier nicht von einem Rücktritt reden wollen und mehrfach betont: "Wir hatten vereinbart, dass wir nach Ende des Wettbewerbs einen Bericht einreichen werden. Unsere Position wird vakant sein, und der Präsident und der Vorstand werden die WM analysieren."

Der Chefcoach und sein Mitstreiter Carlos Alberto Parreira, Technischer Direktor beim WM-Gastgeber und Weltmeistermacher von 1994, hatten sogar ihre Arbeit vehement verteidigt und wollten keine Fehler einräumen. Daraufhin waren sie von den Medien noch vehementer kritisiert worden. Nach Informationen der Sportzeitung "Lance" hat der komplette Stab mit Parreira und Co-Trainer Flavio Murtosa seine Demission erklärt.

Hinter den Kulissen ging es beim CBF zuletzt ähnlich drunter und drüber wie auf dem Platz. Der designierte Präsident Marco Polo Del Nero hatte sich zuletzt für einen Verbleib des einst so beliebten "Felipão" ausgesprochen, zumindest für die nächsten Testspiele. Nach der Blamage im kleinen Finale sagte hingegen Noch-Verbandschef José Maria Marin, die Situation mit Scolari sei "unhaltbar".

Als Nachfolgekandidaten gelten Adenor "Tite" Bacci (zuletzt Corinthians São Paulo) und U 20-Nationaltrainer Alexandre Gallo. Die Zeit drängt für die Brasilianer: Am 5. September steht in Miami gegen Kolumbien das nächste Länderspiel an, danach geht es gegen Ekuador und im Oktober gegen Argentinien und die Türkei. 2015 steht die Copa América an und 2016 in Rio de Janeiro das olympische Fußball-Turnier.

Auch ein ausländischer Trainer ist ein Thema, wäre allerdings ein Novum in Brasilien. Scolari hatte sein Amt Ende November 2012 angetreten als Nachfolger des entlassenen Mano Menezes. Seine Bilanz lautete am Ende 19 Siege in 29 Spielen, sechs Unentschieden und vier Niederlagen. Die letzten zwei davon machten seine ganze Arbeit zunichte, auch wenn Scolari das nicht wahrhaben wollte.