Monaco - Im Spielerparadies Monaco will Michel Platini nach langer Bedenkzeit die Karten für seine Zukunft aufdecken.

Als Ouvertüre vor der Champions-League-Auslosung und der Kür von Europas Fußballer des Jahres hat der UEFA-Präsident seine Entscheidung über eine mögliche Kandidatur gegen FIFA-Boss Joseph Blatter für den 28. August angekündigt. Dass der 59-Jährige in das Rennen um den Posten im Weltverband am 29. Mai 2015 geht, wäre allerdings nach den jüngsten Ereignissen bei der WM in Brasilien eine Überraschung.

Zwar hatten die Funktionäre Europas Blatter mit klarer Kritik die Gefolgschaft für eine fünfte Amtszeit verwehrt und auch Platini positionierte sich klar gegen den Schweizer. "Ich werde ihn nicht unterstützen", betonte der Chef der Europäischen Fußball-Union kurz vor der Eröffnung des Weltturniers. Der Weltverband brauche "frischen Wind." Er habe seinen einstigen Kompagnon Blatter 1998 unterstützt, tue dies aber nun nicht mehr und werde es auch in Zukunft nicht tun.

Doch die anderen fünf Konföderationen weiß Blatter selbst im hohen Funktionärsalter von 78 Jahren weiter hinter sich. Mit seinem großen Gespür für das richtige Timing ließ er die Europa-Attacke mit seiner erneuten Kandidaturankündigung für den Wahl-Kongress 2015 schier verpuffen. "Meine Mission ist noch nicht beendet, das sage ich Ihnen. Wir werden die neue FIFA errichten", erklärte Blatter.

Im August legte er nun in Richtung seiner - von ihm ungenannten - Kritiker nach und forderte sie auf, gegen ihn anzutreten. "Ich sage zu anderen Menschen, wenn sie es riskieren wollen, dann sollen sie es riskieren", erklärte Blatter. "Erzählt nicht nur - geht raus und kämpft, dann werden wir ja sehen."

Einen solchen Schritt müsste Platini anders als der bislang einzige, voraussichtlich chancenlose, Blatter-Gegenkandidat Jérôme Champagne gut kalkulieren. Um bei der Wahl antreten zu können, würde er auf Risiko gehen und sein UEFA-Amt zuvor niederlegen. Ein hoher Preis angesichts der derzeit geringen Chancen. Schon vor mehr als zwei Jahren hatte der Franzose öffentlich mit einer Bewerbung um das höchste Amt im Weltfußball geliebäugelt. Aber Platini weiß aufgrund seiner eigenen Vita, dass sich das Abwarten lohnen kann: 2002 verzichtete er auf eine Kandidatur um den UEFA-Chefposten gegen Lennart Johansson und bezwang seinen schwedischen Kontrahenten fünf Jahre später.

"Es ist nicht so, dass Michel Platini nicht antritt, weil Blatter antritt. Und es ist auch nicht so, dass Michel Platini antritt, weil Sepp Blatter nicht antritt", sagte der Franzose zuletzt. Es ginge einzig darum, zu wissen, "worauf ich Lust habe. Ich werde bald 60 und ich muss wissen, worauf ich Lust habe. Ich nehme mir Zeit." Kurz vor den Medien will er noch die Führungskräfte der 54 UEFA-Mitgliedsverbände treffen - und über seine weiteren Schritte informieren.