Berlin - Stuttgart, Berlin, Frankfurt (Oder): Das Umweltbundesamt warnt vor hoher Feinstaub-Belastung in deutschen Städten. Warum die Partikel so gefährlich sind und wie man sich schützen kann, hier in den Fragen und Antworten.

Die Feinstaub-Belastung der Luft in Deutschland hat nach Messungen des Umweltbundesamtes (UBA) wieder deutlich zugenommen. Bereits jetzt sind Grenzwerte, die von der EU für das gesamte Jahr vorgegeben sind, an einigen Messstellen überschritten - zum Beispiel in Stuttgart. Das geht aus der Datensammlung hervor, die die Behörde im Internet veröffentlicht. Warum ist Feinstaub so gefährlich? Was kann man tun? Hier die wichtigsten Fakten:

Was ist Feinstaub?


Als Feinstaub, Schwebstaub oder englisch "Particulate Matter" (PM) bezeichnet man winzige Teilchen in der Luft. Sie sinken nicht sofort zu Boden, sondern bleiben eine Zeit lang in der Atmosphäre. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu sehen. Bei bestimmten Wetterlagen kann man Feinstaub aber als Dunstglocke wahrnehmen. Die Mischung aus den englischen Wörtern smoke (Rauch) und fog (Nebel) heißt "smog".

Wo kommt Feinstaub her?


Ein großer Teil ist vom Menschen gemacht. Große Mengen entstehen vor allem durch Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen sowie in Industrieprozessen. In Ballungsgebieten ist vor allem der Straßenverkehr eine Quelle. Doch selbst Drucker im Büro, Kerzen im Wohnzimmer, Staubsaugen ohne Feinstfilter, Rauchen, Kochen, Osterfeuer und Feuerwerk produzieren Feinstaub. Es gibt aber auch natürliche Quellen, zum Beispiel Vulkanasche, Waldbrände und Bodenerosion.

Warum ist Feinstaub gefährlich?


Die Partikel dringen beim Einatmen in den Körper ein und lagern sich in den Gefäßen ab. Folgen können Entzündungen und Erkrankungen der Atemwege und des Herzkreislaufsystems sein, bis hin zu Infarkten und Lungenkrebs. Auch Allergien gegen Feinstaub sind möglich, die sich ähnlich wie Pollenallergien auswirken. Nach einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben im Jahr sieben Millionen Menschen weltweit durch Luftverschmutzung. In Deutschland schätzt das Umweltbundesamt die Zahl auf 47 000, vor allem durch Feinstaub und Stickstoffoxid.

Welche gesetzlichen Regelungen gibt es?


Seit 2005 gelten europaweit Grenzwerte für Feinstaub (PM10). Der Jahresmittelwert darf 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Der PM10-Tagesmittelwert an Messstationen darf 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht öfter als an 35 Tagen im Jahr überschreiten.

Wie sieht die Realität in Deutschland aus?


Die Regel an den Messstationen wird immer wieder überschritten - vor allem an verkehrsreichen Straßen. Dabei gibt es allerdings jährliche und regionale Schwankungen. In Stuttgart war der Jahreswert mit 36 Tagen bereits Mitte März erreicht. Berlin und Frankfurt (Oder) sind mit 33 und 32 Tagen kurz davor, dicht gefolgt von Halle und Leipzig mit 30 Tagen, berichtete das UBA am Dienstag (15. April). Insgesamt hat sich die Lage jedoch erheblich verbessert: Den letzten Smogalarm in Westdeutschland gab es 1987, in Ostdeutschland 1993. Seit dem Jahr 2000 flacht die Feinstaub-Kurve jedoch kaum noch ab.

Welchen Einfluss hat das Wetter?


Dass die Feinstaubwerte zwischen Januar und April ansteigen, sei nicht ungewöhnlich, sagt Arno Graff, UBA-Experte für Luftqualität. Das liege neben den üblichen Emissionen vor allem an der Heizperiode und an der Witterung. Bei kühlen und stabilen Hochdrucklagen ohne viel Wind sammelten sich mehr Luftschadstoffe in der unteren Atmosphäre. Entscheidend dabei ist immer die Konzentration. Nicht aller Feinstaub ist zudem hausgemacht: Insbesondere Ostdeutschland bekommt die Partikel bei Ostwind auch importiert - aus Polen und Tschechien.

Wie kann man sich schützen?


An Tagen mit hoher Feinstaub-Belastung sollten Einwohner körperliche Anstrengung vermeiden. Joggen ist dann keine gute Idee, erläutert Prof. Gerhard Sybrecht von der Deutschen Lungenstiftung im niedersächsischen Langenhagen. Der Lungenfacharzt rät zudem, Fenster an viel befahrenen Straßen geschlossen zu halten. Um den schädlichen Partikeln zu entgehen, sei es ideal, an besonders schlimmen Tagen die Stadt zu verlassen und ins Grüne zu fahren. Anwohner könnten auch einen Mundschutz tragen, dieser halte allerdings nicht alles ab.