Heidelberg - Regelmäßige Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung können das Risiko für den Ausbruch von Gebärmutterhalskrebs senken. Doch nicht in jedem Fall kommt die Kasse dafür auf. Wie sinnvoll ist es, für Tests selbst ins Portemonnaie zu greifen?

Frauenärzte bieten Tests an, mit denen sich feststellen lässt, ob sich eine Patientin mit
Humanen Papillomviren (HPV) infiziert hat. Diese Erreger können Gebärmutterhalskrebs auslösen. Allerdings kommen für den sogenannten HPV-Test nicht die Krankenkassen auf - zwischen 35 und 70 Euro werden dafür fällig, die die Patientin als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) aus der eigenen Tasche zu zahlen hat. Lohnt es sich, das Geld dafür auszugeben, um das eigene Krebsrisiko besser einschätzen zu können?


"Bei gesunden Frauen ersetzt ein HPV-Test bisher nicht die klassische Früherkennungsmethode", sagt Birgit Hiller vom
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. "Mit dem Test kann man eine Infektion nachweisen, aber nicht, ob diese bereits zu einer andauernden Zellveränderung geführt hat", erklärt die Biologin. Kurz: Ein HPV-Test ist kein Krebstest.


Zellveränderungen in der Gebärmutterschleimhaut spüren Mediziner in Deutschland seit mehr als 40 Jahren mit dem sogenannten Pap-Test auf. Dabei werden mit Hilfe eines Holzspatels oder Wattestäbchens Zellen von der Oberfläche des Gebärmutterhalses entnommen, angefärbt und unter dem Mikroskop begutachtet. Frauen ab 20 Jahren können im Rahmen der von den Krankenkassen übernommenen Krebsfrüherkennung einmal jährlich die Untersuchung in Anspruch nehmen. Nach Angaben des
Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sterben heute in Deutschland mit rund 1500 bis 1600 Frauen nur noch halb so viele Frauen an Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) wie vor 30 Jahren.


Eine Infektion mit Humanen Papillomviren ist zwar die erste Voraussetzung dafür, dass überhaupt Gebärmutterhalskrebs entstehen kann. Eine HPV-Infektion ist allerdings allein noch kein Grund für schlaflose Nächte: Die Viren sind so weit verbreitet, dass der Kontakt mit ihnen für sexuell aktive Frauen - und Männer - fast unvermeidbar ist.

"In 98 Prozent der Fälle heilt die Infektion völlig folgenlos wieder aus", erklärt Susanna Kramarz, Sprecherin des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Der Verband rät daher vom HPV-Test als Früherkennungsmethode ab - er empfiehlt den jährlichen Pap-Test. Und wenn die Frau dabei einen auffälligen Befund hat, werde der HPV-Test zur weiteren Diagnose auf Kassenkosten durchgeführt.

Schaffen es die Abwehrmechanismen des Körpers jedoch nicht, die Viren wieder loszuwerden, besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut verändern. Im Laufe der Jahre können sie zu Krebszellen werden. Für ältere Frauen, die insgesamt deutlich seltener infiziert sind als jüngere, kann ein zusätzlicher HPV-Test daher durchaus sinnvoll sein: "Es gibt Hinweise, dass der HPV-Test in Kombination mit der üblichen Früherkennung doch einen Vorteil bieten könnte", sagt Hiller. "Vor allem Frauen über 30 Jahre könnten dann bei negativem Testergebnis und unauffälligem Untersuchungsbefund eventuell seltener zur Früherkennung gehen als bisher vorgesehen. Wie hoch der Nutzen wäre, dazu sind noch Fragen offen."

Möglicherweise werden in Zukunft viel mehr Frauen als bisher bei der Krebsfrüherkennung mit HPV-Tests in Berührung kommen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), in dem Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen festlegen, was Kassenleistungen sind, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt, den Nutzen solcher Tests für die Krebsfrüherkennung erneut zu überprüfen.