Leipzig - Schlichtes Holzbein oder hochgesteckter Jackettärmel war gestern. Bei Prothesen ist heutzutage vieles machbar. Selbst ein Silikon-Unterschenkel mit Tattoo.

Der Orthopädietechnikermeister Christoph Braun hat bei der Herstellung seiner Produkte nur ein Ziel: "Wir möchten so unauffällig wie möglich sein." Der 35-Jährige ist Geschäftsführer des
Stamos und Braun Prothesenwerks in Dresden. Er fertigt ästhetische Silikonprothesen an für Menschen, die durch Krankheit oder Unfall Gliedmaße verloren haben. Daumen, Zehen, Unterschenkel - alles geht täuschend echt nachzumachen.


Kleinste Falten und Äderchen lassen sich laut Braun nachbilden, Finger- oder Fußnägel aus Acryl und Kunsthaare machten den Eindruck perfekt. Auch ein Tattoo auf dem künstlichen Körperteil sei kein Problem. Das Prothesenwerk ist seit Anfang des Jahres in Betrieb. Seither erlebe das Unternehmen eine überraschend große Nachfrage, sagt Braun.

Um das Thema Design komme kein Prothesen-Hersteller mehr herum, sagt Kirsten Abel, Sprecherin des
Bundesinnungsverbandes Orthopädietechnik. Dabei gingen Betroffene sehr unterschiedlich mit den Hilfsmitteln um: "Es gibt Menschen, die möchten eine möglichst unauffällige Prothese. Und es gibt den anderen Typ, der sagt: Ich zeige meine Prothese gern."


Auch Dieter Jüptner, Präsident des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation (BMAB), bestätigt: "Verallgemeinerungen sind da nicht möglich." Möglichst unauffällige Prothesen seien aber durchaus eine Erleichterung. "Zumindest am Anfang ist das für viele eine Hilfe. Die meisten Menschen haben einen wahren Horror davor, den Verlust eines Armes oder Beines nach außen nicht verstecken zu können", berichtet Jüptner.

Wie viele Amputationen es in Deutschland pro Jahr gibt, sei schwer zu sagen. "Die Prothetik-Hersteller gehen von 25 000 bis 30 000 Major-Amputationen aus." Als Major-Amputation gilt die Abnahme eines Armes oder eines Beines; der Verlust von Fingern oder Zehen zählt nicht dazu. Mehr als drei Viertel der Amputationen werden laut Jüptner wegen arterieller Verschlusskrankheiten wie Diabetes nötig. Der Rest sei auf Unfälle, Krebserkrankungen oder Keiminfektionen zurückzuführen. Der Verbandspräsident beziffert die Zahl der Patienten in Deutschland auf 200 000 bis 250 000.

Es sei viel Öffentlichkeitsarbeit nötig, um den Anliegen der Betroffenen ein Gehör zu verschaffen, räumt Jüptner ein. Immer wieder gebe es Streit mit den Krankenkassen, welche Versorgung bezahlt wird. Das könne von Bundesland zu Bundesland völlig verschieden sein - obwohl die Sozialgesetzgebung eindeutig sei. Die Betroffenen hätten einen Anspruch auf Ausgleich ihrer Behinderungen. Bei der Prothetik gebe es kein Limit nach oben, sagt Jüptner. "Uns steht das Beste zu, was wir kriegen können."