Köln - Eine Blinddarmentzündung verläuft meist harmlos und kann mit einem kurzen Eingriff schnell behandelt werden. Wer zu lange zögert, zum Arzt zu gehen, setzt sich einer Lebensgefahr aus. Die verdächtigen Anzeichen sollte daher jeder kennen.

Es sind Symptome, bei denen manch einer von harmlosen Magen-Darm-Beschwerden ausgeht: Ziehen im Bauch, Übelkeit, manchmal sogar Fieber. Doch nicht immer verursachen Magen und Darm das Unwohlsein. Eine Appendizitis oder Wurmfortsatzentzündung, für die sich der Begriff
Blinddarmentzündung eingebürgert hat, kann ebenso Auslöser der Symptome sein.


Entstehung: Schon ein kleiner Fremdkörper wie ein Kirschkern kann eine Appendizitis auslösen. "Der Wurmfortsatz hat nur einen Eingang, keinen Ausgang und kann leicht verstopfen", erläutert Tanja Brunnert, Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Das muss aber nicht so sein: "Oft gibt es gar keine konkrete Ursache, der Wurmfortsatz kann sich auch von alleine entzünden." Wird die Entzündung nicht umgehend behandelt, kann es zu einem lebensbedrohlichen Blinddarmdurchbruch kommen.


Symptome: Die Appendizitis geht meist mit unspezifischen Symptomen einher, die auch anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden können. "Häufig treten Initialschmerzen im Oberbauch auf, die sich bald in den rechten Unterbauch verlagern. Begleitsymptome sind Übelkeit und Fieber", erläutert Prof. Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Kinder unter zwei Jahren haben laut Brunnert manchmal nur Husten.


Diagnose: Meist prüft der Arzt mit einem Blutbild, ob die weißen Blutkörperchen und ein bestimmtes Protein als Zeichen der Entzündungsreaktion erhöht sind. Typisch sind Druckschmerzen und Verhärtungen im Bauch. Eine Ultraschalluntersuchung ist ebenfalls hilfreich. "Der Wurmfortsatz ist bei einer Appendizitis verdickt, dies kann man im Ultraschall häufig gut sehen", erklärt Trautwein.


Behandlung: Eine Operation ist nicht immer notwendig. In seltenen Fällen kann bei einer milden Entzündung die Einnahme von Antibiotika ausreichen, sagt Prof. Hans-Peter Bruch, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen (BDC). Bei einer OP kann der Arzt den Bauchraum genau an der Stelle öffnen, wo der Blinddarm liegt, und entfernt das entzündete Gewebe. Die schonendere Methode ist die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Diese Methode kommt am häufigsten zum Einsatz, wenn der Blinddarm noch nicht durchgebrochen ist. Bei einem Durchbruch öffnet der Chirurg den Bauchraum mit einem größeren Schnitt. Ist das entzündete Gewebe entfernt, muss der gesamte Bauchraum gespült werden. Dadurch lässt sich die Keimlast vermindern.


Risiken: Probleme können unter anderem bei der Vollnarkose oder durch Wundheilungsstörungen auftreten. "Die Komplikationsrate ist aber gering", betont Trautwein. Ebenso können narbige Verwachsungen im Bauch später Schwierigkeiten verursachen und zum Beispiel zu einem Darmverschluss führen.


Regeneration: Es hängt von der Behandlungsmethode, dem OP-Verlauf und dem eigenen Schmerzempfinden ab, wann der Körper wieder voll belastbar ist. Nach einer Laparoskopie können die meisten Patienten das Krankenhaus nach ein bis drei Tagen verlassen. "Besonders junge Patienten sind meist schon nach wenigen Tagen wieder fit", sagt Trautwein. Bei einem Bauchschnitt verbringt der Patient meist fünf bis sieben Tage im Krankenhaus. "Bei einer schweren Bauchfellentzündung können es auch 14 Tage werden", fügt Kinderärztin Brunnert hinzu. Sie empfiehlt, sich auch nach dem Krankenhausaufenthalt noch entsprechend zu schonen, zwei bis drei Wochen auf Sport zu verzichten und nicht schwer zu heben.