Berlin - Vor kaum einer anderen Behandlung graut es Patienten beim Zahnarzt mehr als vor einer an der Zahnwurzel. Sie sind jedoch oft die letzte Option, um einen Zahn zu retten und teuren Zahnersatz zu umgehen. Aber nicht jede Maßnahme trägt die Krankenkasse.

Die Umfrage ist zwar schon etwas älter. Ihre Aussage dürfte aber noch heute gelten: In einer repräsentativen Umfrage der DEVK-Versicherung gaben 2009 zwei Drittel der 1000 Befragten an, dass sie beim Gang zum Zahnarzt nichts mehr fürchten als eine Behandlung an der Wurzel. Und zwar deutlich vor dem Zahnziehen und Bohren. Dabei ist eine Wurzelbehandlung oft die letzte Möglichkeit vor dem Ziehen - und damit auch die letzte Option vor einem gegebenenfalls teuren Zahnersatz. "Einen Zahn erhalten, hat immer Priorität", betont Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Wurzelbehandlungen werden bei einer Erkrankung der Pulpa notwendig. So nennen Zahnärzte die Blut- und Lymphgefäße und den Nerv im Inneren eines Zahnes. Oft ist die Pulpa entzündet oder schon seit längerer Zeit abgestorben, erklärt Gregor Bornes von der Kompetenzstelle Zahngesundheit der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). "Indiz für eine Entzündung sind Schmerzen. Wenn es ganz schlimm ist, auch die typische geschwollene Wange."

Prof. Christian Gernhardt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), sagt: "Wurzelkanalbehandlungen sind oft die letzte Möglichkeit vor dem Entfernen des betroffenen Zahnes." Es gilt dabei: Je eher behandelt wird, desto besser. Denn im schlimmsten Fall entwickelt sich die Schädigung und Entzündung der Pulpa zu einer weitreichenderen chronischen Entzündung, die auch umliegende Knochenareale befällt.

Bei einer Wurzelkanalbehandlung bohrt der Zahnarzt von oben ein Loch in den Zahn, um an das Innenleben zu kommen. Dort sucht er anschließend die Hauptkanäle der einzelnen Wurzel. "Mit feinen Nadeln und Feilen erschließt er diese, entfernt das entzündete Gewebe und desinfiziert den Kanal danach mit Spülflüssigkeiten", erläutert Gernhardt. Dann werden die Wurzelkanäle mit einer Füllung dicht versiegelt. Anschließend wird der Zugang verschlossen. Eine Krone oder Ähnliches sorgt für den ästhetischen Abschluss.

Grundsätzlich müssen sich Zahnärzte bei Behandlungen an den Richtlinien der gesetzlichen Krankenkassen orientieren. Während es für Vorderzähne, die meist gut erreichbar sind und häufig nur einen einzigen geraden Wurzelkanal haben, kaum Einschränkungen gibt, sind die Kassen bei Backenzähnen durchaus streng. "Diese haben meist mehrere Wurzeln und darin nicht selten mehrere Kanäle, die auch stark abgeknickt sein können", erläutert Oesterreich. Entsprechend schwieriger ist die Behandlung. Wird durch die Rettung des Zahnes aber eine ganze Zahnreihe oder vorhandener Zahnersatz erhalten, fließt das in die Beurteilung mit ein. Dann zahlen Kassen auch für diese Behandlungen.

Ansonsten bleibt dem Patienten die Option, seine Wurzelbehandlung privat zu tragen. Dabei stellt der Zahnarzt nach einer eingehenden Beratung einen schriftlichen Kostenvoranschlag nach der privaten zahnärztlichen Gebührenordnung aus, erklärt Bornes. Danach gibt er ausreichend Bedenkzeit, damit der Patient in Ruhe abwägen kann. Das sollte dieser auch, aus gutem Grund: "Er muss auch dann zahlen, wenn die Behandlung nicht gelingt", betont Bornes. Vorbeugend kann in dem Fall eine Zahnzusatzversicherung lohnen, denn einige Policen übernehmen auch Wurzelbehandlungen. Die Versicherungen prüfen laut Bornes nur die korrekte Rechnungsstellung. Bei der medizinischen Notwendigkeit verlassen sie sich auf die Einschätzung des Arztes.

Laut Gernhardt stehen die Erfolgschancen bei Wurzelbehandlungen sehr gut: "Durchaus 75 bis über 90 Prozent der Zähne sind nach zehn Jahren noch in der Mundhöhle." Und ein eigener Zahn sei immer besser als ein Ersatz. Allerdings müsse die Prognose stimmen: "Ist das Fundament nicht gut, sollte der Zahn nicht um jeden Preis gerettet werden." Kann er durch eine Wurzelbehandlung aber noch mehrere Jahre im Mund verbleiben, sei es empfehlenswert, sie vorzunehmen.

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