Barßel - In Niedersachsen ist die hochaggressive Variante der Vogelgrippe H5N8 ausgebrochen - ausgerechnet in jenem Land, wo bundesweit das meiste Nutzgeflügel gehalten wird. Doch wie gefährlich ist die Krankheit für Menschen?

Der Ausbruch der Vogelgrippe in Deutschland beunruhigt Geflügelzüchter wie auch Verbraucher. Wie gefährlich ist das aktuelle Virus H5N8? Bei einer durch den Erreger H5N1 ausgelösten Epidemie 2003 und in den Folgejahren steckten sich weltweit rund 600 Menschen an, viele starben. H5N8 scheint bisher ein weniger gefährlicher Subtyp zu sein - zumindest für Menschen. Fragen und Antworten zum Thema.

Ist H5N8 gefährlich für Menschen?


Bisher ist keine Infektion eines Menschen mit dem Virus H5N8 bekanntgeworden - auch nicht in Südkorea, wo es bereits 30 Ausbrüche in Geflügelbeständen gab. Das sagte die Sprecherin des zuständigen Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Ostseeinsel Riems, Elke Reinking. "Es sieht so aus, dass H5N8 nicht so leicht auf den Menschen übertragbar ist, was eine gute Nachricht ist." Grundsätzlich könnte eine Übertragung auf Menschen aber denkbar sein. "Das können wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit ausschließen", sagte sie. Zu dem Schluss komme auch das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) in Schweden.

Ist es gefährlich, Fleisch und Eier zu essen?


Nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz in Niedersachsen ist der Verzehr von Geflügelfleisch und Eiern unbedenklich, wenn die Speisen gut gekocht und gründlich durchgegart sind. Selbst bei einer Infektion von Hausgeflügelbeständen sei keine Gefahr zu erwarten, weil der Erreger bei einer Temperatur von 70 Grad Celsius abgetötet wird. "Das Virus ist sehr hitzeempfindlich, jedes Kochen macht es kaputt", sagt Georg Herrler, Professor für molekulare Virologie an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Wie kam das Virus in niedersächsische Geflügelställe? Welche Übertragungswege werden vermutet?


Abgeklärt werden nach Angaben des Loeffler-Instituts verschiedenste Möglichkeiten. Untersucht werden die gelieferten Tiere, Futter und Einstreu. Auch der Personen- und Transportverkehr wird unter die Lupe genommen. Außerdem wird geschaut, ob die Zuchttiere in Niedersachsen möglicherweise direkt oder indirekt Kontakt zu Wildvögeln hatten. Indirekter Kontakt wäre etwa möglich über Futter, Einstreu oder Tränkwasser der Masttiere, zu dem auch Wildvögel Zugang haben. Diese könnten sich in Sibirien bei Vögeln aus Asien infiziert haben. "Es gibt einige Hinweise darauf, dass Wildvögel eine Rolle spielen", untermauerte die Sprecherin des
Friedrich-Loeffler-Instituts.


Woran erkennt man kranke Tiere?


Kranke Hühner leiden laut Friedrich-Loeffler-Institut unter anderem an Teilnahms- und Appetitlosigkeit, Durchfall, geringerer Legeleistung und Störungen des zentralen Nervensystems, was sich an einer unnormalen Kopfhaltung und Gleichgewichtsstörungen zeigt. Außerdem können Hühner ein stumpfes, gesträubtes Federkleid und Ödeme am Kopf bekommen.

Wie hoch ist die Sterblichkeit der Tiere, wenn das Virus ausgebrochen ist - unabhängig davon, dass in betroffenen Betrieben gekeult werden muss?


Je nach Geflügelart kann die Sterblichkeit variieren. Puten und Hühner sind am empfänglichsten und sterben entsprechend eher an einer Infektion als Enten und Gänse. Beim Ausbruch der Geflügelpest durch das Virus H5N8 bei Mastputen in Mecklenburg-Vorpommern betrug die Sterblichkeit bis zu 90 Prozent.