Frankfurt/Main - Alles ist billig, auch Geld - glaubt man der Werbung. Für Ratenkredite wird oft mit einem sehr niedrigen Zins geworben. Der gilt allerdings nur für wenig Menschen. Die Bonität des Kreditnehmers ist entscheidend.

Verbraucher sollten sich bei Ratenkrediten nicht von besonders günstigen Zinsen blenden lassen. Denn diese gelten meist nur bei einer kaum zu erreichenden Top-Bonität, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Wessen Bonität schlechter eingestuft wird, erhalte bei bonitätsabhängigen Angeboten automatisch schlechtere Konditionen. Der Verbraucher registriere das aber oft erst im Nachhinein, wenn er den Kredit abzahlt. Bei bonitätsunabhängigen Angeboten würden die Banken diesem Kunden erst gar keinen Kredit gewähren.

"Viele Kunden fragen nicht, wie teuer der Zinssatz ist, sondern sie fragen nur, ob und wann sie den Kredit bekommen", erläutert Herbst das Grundproblem. Das wüssten auch die Banken und würden deshalb mit den Top-Bonitäts-Konditionen werben. Sie seien zwar verpflichtet, auch den Zinssatz zu nennen, den zwei Drittel der Kunden bekommen, aber das stehe dann nur im Kleingedruckten.

Der günstigste Zinssatz für einen Kredit über 10 000 Euro mit 36 Monaten Laufzeit liegt bei bester Bonität nach einer aktuellen FMH-Berechnung derzeit bei 2,90 Prozent (Stand: 24.02.2014). Geht man von der Zwei-Drittel-Zinsnennung aus, sind es im günstigsten Fall schon 4,65 Prozent, im teuersten 8,17 Prozent. Handelt es sich um einen bonitätsunabhängigen Kredit, liegt der Zinssatz derzeit zwischen 4,44 und 7,95 Prozent.

"Wenn ich merke, dass ich nur ein Darlehen kriege, bei dem die Zinsen an der obersten Spitze der Zinssätze liegen, ist etwas faul an meinem Finanzgebaren", betont Herbst. Dann sollten Verbraucher sich fragen, ob es überhaupt noch sinnvoll ist, einen Ratenkredit in Anspruch zu nehmen. Im Zweifelsfall muss der neue Flachbildfernseher eben noch eine Weile im Laden warten.