Mannheim - An den Börsen steigen die Kurse. Doch viele Anleger in Deutschland haben sich im vorigen Jahr von ihren Wertpapieren getrennt. Wer wieder einsteigen möchte, sollte das Kursniveau nicht überbewerten. Für den Anlageerfolg kommt es auf andere Dinge an.

An den Börsen geht es oft drunter und drüber. "Die Kurse entwickeln sich nicht immer nur in eine Richtung", erklärt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. Aktionäre sollten sich bei der Entscheidung zum Kauf aber auch nicht zu sehr vom aktuellen Kurs beeinflussen lassen. "Der Kaufzeitpunkt sollte keine entscheidende Rolle spielen." Wichtiger sind unter anderen die Konjunkturaussichten, die Zahlen des Unternehmens und auch der Anlagehorizont des Aktionärs.

Allerdings legen immer weniger Menschen in Deutschland ihr Geld in Aktien an. Wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) am Mittwoch (5. März) in Frankfurt mitteilte, trennten sich im vergangenen Jahr rund 600 000 Menschen von ihren Aktien oder Aktienfonds und das trotz der deutlichen Kurssteigerungen beispielsweise des Dax. Insgesamt sind demnach nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in Aktien engagiert. Das entspricht 13,8 Prozent der Bevölkerung.

"Grundsätzlich versuchen Anleger immer, ein Schnäppchen zu machen, indem sie zu niedrigen Kursen einsteigen", erklärt Prof. Weber. "Das ist ein ganz intuitives Verhalten." An der Börse sei es allerdings fast unmöglich, wirklich den tiefsten Punkt zu erwischen. "Kursentwicklungen kann man nicht vorhersagen", sagt der Finanzwirtschaftler. "Einsteigen sollte man immer, wenn man Geld übrig hat." Auf lange Sicht lohne sich das Investieren in Aktien.

Wirklich entscheidend für den Anlageerfolg an den Börsen sei es, das Geld gut zu verteilen. "Märkte, Branchen und Unternehmen entwickeln sich nie gleich", erklärt Prof. Weber. "Wenn man einseitig investiert, kann man schnell daneben liegen." Aktuelles Beispiel sei die Krise in der Ukraine. Das habe Einfluss auf die Kurse in Europa, die Märkte in Mittel- und Südamerika beispielsweise seien davon deutlich weniger betroffen. "Je breiter Sie ihr Geld anlegen, desto besser ist es", erklärt Weber.

Solarworld ist größter Kapitalvernichter
Auch im Börsen-Boomjahr 2013 hat eine Reihe von Gesellschaften das Kapital ihrer Aktionäre verbrannt. Das einstige Vorzeigeunternehmen Solarworld führt die unrühmliche Liste der "größten Kapitalvernichter" in Deutschland an, wie die DeutscheSchutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) berichtete. Die Aktie des Bonner Unternehmens verlor demnach allein 2013 fast 57 Prozent an Wert, seit 2009 ging der Kurs um 97 Prozent in den Keller. Unter den Top-Ten der Kapitalvernichter taucht auch die Commerzbank wieder auf. Zwar konnte das Dax-Unternehmen 2013 an der Börse um 9,5 Prozent zulegen. Im Fünfjahresvergleich bleibt aber ein Minus von 70,5 Prozent.