Düsseldorf - Anleger in Deutschland meiden Aktien. Dabei bieten einige Titel eine attraktive Rendite. Viele Firmen schütten jedes Jahr eine Dividende aus. Wer dieses Plus viele Jahre lang einstreicht, kann sogar Kursverluste unter Umständen ausgleichen.

Die Lufthansa tut es, die Deutsche Telekom, BMW, die MünchnerRück und auch BASF - diese Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre an ihren Gewinnen. "Fast alle Dax-Unternehmen schütten Dividenden aus", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Aber auch kleinere, zum Beispiel im MDax notierte Firmen, schütten regelmäßig einen Teil der Gewinne an ihre Aktionäre aus.

"Die Dividende ist ein wichtiger Bestandteil der Anlage", erklärt Kurz. "Denn sie ist eine Erfolgsbeteiligung der Aktionäre." Nach den Wünschen der DSW sollten die börsennotierten Unternehmen 50 Prozent ihrer Gewinne auszahlen, doch das tun längst nicht alle.

Die börsennotierten Unternehmen in Deutschland schütten in diesem Jahr mit 37,3 Milliarden Euro kaum mehr aus als im Vorjahr (37,2 Mrd Euro), wie der DSW ermittelt hat. Vom Rekordwert aus dem Jahr 2008 ist das noch ein Stück entfernt: Damals wurden 38,4 Milliarden Euro an Dividenden gezahlt.

Dabei können sich Aktionäre der im MDax und TecDax gelisteten Unternehmen in diesem Jahr über den bisher größten Geldregen freuen: Im TecDax steigen die Ausschüttungen um 7,7 Prozent, im MDax sogar um 23,6 Prozent. Dagegen sinken die Ausschüttungen im Leitindex Dax um 2,9 Prozent. Denn das Schwergewicht Deutsche Telekom und die von der Energiewende gebeutelten Versorger Eon und RWE kürzen ihre Dividenden.

Generell ist die Dividendenrendite aber gerade in der derzeitigen Niedrigzinsphase oft höher als bei Anlagen mit festem Zins wie Tagesgeldkonten. Ein Beispiel: Die Allianz zahlt in diesem Jahr voraussichtlich eine Dividende von 5,30 Euro pro Aktie. Bei einem Kurs von rund 121 Euro ergibt das eine Dividendenrendite von etwa 4,4 Prozent.

Zum Vergleich: Für Vermögen auf einem Tagesgeldkonto gibt es derzeit laut der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main höchstens 1,40 Prozent. Für 5000 Euro auf einem Festgeldkonto mit einer Laufzeit von 4 Jahren gibt es gerade einmal höchstens 2,3 Prozent Zinsen pro Jahr. Bei einer Laufzeit von 2 Jahren sind es höchstens 1,95 Prozent.

Und dennoch haben Aktien in Deutschland einen schweren Stand bei Privatanlegern. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) legen immer weniger Menschen hierzulande ihr Geld in Anteilsscheinen von Unternehmen an. Allein 2013 trennten sich rund 600 000 Menschen von ihren Aktien oder Aktienfonds und das trotz der deutlichen Kurssteigerungen beispielsweise des Dax. Insgesamt sind demnach nur noch 8,9 Millionen Deutsche direkt oder indirekt in Aktien engagiert. Das entspricht 13,8 Prozent der Bevölkerung.

"Viele Anleger haben zu Zeiten des Neuen Marktes schlechte Erfahrungen gemacht", vermutet Jürgen Kurz. Vor allem Privatanleger mieden seitdem die Börse. Dabei könnten Dividendentitel gerade für Kleinanleger interessant sein. "Dividenden werden ja eher von soliden Unternehmen gezahlt, deren Geschäftsmodell lang erprobt ist", sagt Kurz. Die Kurse dieser Unternehmen schwankten erfahrungsgemäß nicht so stark wie die Kurse von Wachstumswerten.

Bei der Auswahl sollten Anleger darauf achten, dass die Dividende in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt wurde, empfiehlt Kurz. "Dabei sollte sich die Dividende vor allem aus den Erträgen finanzieren." Es könne zwar durchaus akzeptabel sein, wenn in schlechteren Zeiten dafür auch auf einen Teil der Rücklagen zurückgegriffen werde. "Das sollte aber in guten Jahren wieder ausgeglichen werden." Ein positives Zeichen sei es, wenn die Ausschüttung in der Vergangenheit leicht erhöht wurde.

Allerdings sind Dividendentitel nicht per se die besseren Aktien. Manche Unternehmen investieren ihre Gewinne häufig zunächst in ihr Wachstum, bevor sie die Aktionäre beteiligen. Hier können Anleger unter Umständen aber von hohen Kurssteigerungen profitieren. Außerdem kommt es vor, dass Unternehmen ihre Dividende kürzen, weil die Gewinne geringer ausfallen oder die Geschäftsaussichten schlechter geworden sind.

Daher sollten Anleger nicht zu einseitig investieren, empfiehlt Prof. Martin Weber von der Universität Mannheim. "Märkte, Branchen und Unternehmen entwickeln sich nie gleich", erklärt der Wissenschaftler. "Wenn man einseitig investiert, kann man schnell daneben liegen." Besser sei es, das Geld gut zu verteilen.

Wie die Dividendenrendite berechnet wird

Die Dividendenrendite setzt die Dividende eines Geschäftsjahres und den aktuellen Kurs ins Verhältnis. Sie wird errechnet, indem die Höhe der Ausschüttung pro Aktie durch den Aktienkurs dividiert und anschließend mit 100 multipliziert wird. Ein Beispiel: Bei einem Kurs von 50 Euro und einer Dividende von 2,50 Euro liegt die Dividendenrendite also bei 5 Prozent.