Stuttgart - Die derzeitigen Niedrigzinsen verführen zum Häuserkauf. Doch die Preise für Immobilien sind derzeit hoch. Ebenso die Gefahr, sich durch den Kauf zu übernehmen. Experten raten daher zur Zurückhaltung.

Die Zinsen sind niedrig wie nie. Rund zwei Prozent müssen Immobilienkäufer für Darlehen mit einer Laufzeit von zehn Jahren derzeit im Schnitt zahlen. "Aber auch eine günstige Finanzierung birgt ganz erhebliche Risiken, insbesondere wenn die Immobilienpreise zurückgehen", warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "So manche Käufer erwerben derzeit Immobilien in einer Preisklasse, die sie sich zum Zinsniveau vor fünf Jahren niemals hätten leisten könnten."

Ein Rechenbeispiel: Ein Käufer zahlte vor 5 Jahren für einen Immobilienkredit über 250 000 Euro 4 Prozent Zinsen und investierte 2 Prozent in die Tilgung. "Bei der monatlichen Rate von 1250 Euro wäre das Darlehen nach 27,5 Jahren abbezahlt", erläutert der Finanzexperte. Wenn die Immobilie wegen des jüngsten Nachfragebooms um 100 000 Euro teurer geworden ist und der Kredit deshalb 350 000 Euro betragen muss, sieht die Rechnung anders aus: Bei derselben monatlichen Rate dauert es nun rund 31,5 Jahre bis zur Volltilgung. "Sie brauchen trotz gesunkener Zinsen 4 Jahre länger für die Tilgung."

Käufer sollten daher nüchtern abwägen, welchen Kaufpreis sie sich wirklich leisten können und wollen. "Auch bei niedrigen Zinsen sollte man nicht jeden verlangten Preis bezahlen", warnt Nauhauser.

Wer vermeiden will, dass er sich mit dem Kauf einer Immobilie finanziell übernimmt, sollte berücksichtigen, dass Zinssätze in Zukunft steigen können und dass der Objektwert sinken kann. Dann kann es erforderlich sein, neue Sicherheiten zu stellen. "Diese Risiken können eine Anschlussfinanzierung zum Scheitern bringen." Den derzeitigen Zinsvorteil können Käufer nutzen, um die Tilgung höher anzusetzen. Damit sorgen sie dafür, dass das Darlehen schneller abbezahlt ist.