Düsseldorf (dpa/tmn) - Zusätzlich zur gesetzlichen Rente privat fürs Alter sparen - das ist längst ein Muss. Viele Verbraucher setzen dabei auf die Lebensversicherung oder aufs Sparbuch. Doch angesichts der historisch niedrigen Zinsen gucken sich Sparer zunehmend nach Alternativen um, die mehr Rendite versprechen. Lebenszyklusfonds können eine Lösung sein. In den USA und in Großbritannien sind solche Altersvorsorgeprodukte weit verbreitet. Hierzulande sind sie noch relativ unbekannt. Antworten auf wichtige Fragen:

Was sind Lebenszyklusfonds?


"Lebenszyklusfonds sind eigentlich Investmentfonds", erläutert Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Der Unterschied: Anders als herkömmliche Fonds haben sie eine feste Laufzeit und ändern im Laufe der Jahre ihre Anlagestrategie. Zu Beginn wird eher risikoorientiert und gegen Ende der Laufzeit eher sicherheitsorientiert angelegt. Das genaue Ende der Laufzeit wird bereits bei Auflage festgelegt. "Im Zeitablauf ändert sich das Rendite-Risiko-Profil gleichförmig und allmählich", erläutert Yann Stoffel von der Stiftung Warentest. Die Umschichtungen von Aktien zu Rentenpapieren zum Beispiel erfolgen nach vorher festgelegten Kriterien.

Was sind Vorteile von Lebenszyklusfonds?


"Durch die sehr lange Laufzeit von Lebenszyklusfonds hält sich das Verlustrisiko in Grenzen", sagt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Sparer müssen sich nicht selbst um die Anlage der Gelder im Fonds kümmern. "Die Umschichtungen werden von der Fondsgesellschaft vorgenommen", erklärt Scherfling.

Welche Nachteile haben sie?


Der Anleger bindet sich zunächst langfristig. Will er vor Ende der Laufzeit Fondsanteile verkaufen, muss er entsprechende Kursrisiken einkalkulieren. "Natürlich müssen Anleger das Risiko eingehen, dass in der ersten Zeit risiko-orientiert investiert wird", betont Topar. Das kann zu Gewinnen, aber auch zu Verlusten führen. "Im ungünstigsten Fall verkauft die Fondsgesellschaft Aktien, wenn die Kurse gerade im Keller sind", erklärt Scherfling.

Wie hoch sind die Kosten der Fonds?


"Die durchschnittlichen laufenden Kosten der Lebenszyklusfonds sind vergleichbar mit denen von Mischfonds", erläutert Topar. Grundsätzlich hängen sie von der jeweiligen Laufzeit ab. Nach Berechnungen des Fondsverbandes BVI liegen sie jährlich zwischen 1,1 Prozent bei einer Laufzeit bis 2020 und 2,3 Prozent bei einer Laufzeit, die länger als 2030 ist. Scherfling verweist darauf, dass aktiv gemanagte Fonds in der Regel deutlich teurer sind als börsengehandelte Exchange Traded Funds. Die Ausgabeaufschläge könnten bis zu sechs Prozent betragen. In der Praxis könnten Anleger aber durchaus Fondsanteile mit Rabatt erwerben. "Grundsätzlich kommen bei Lebenszyklusfonds gegebenenfalls noch weitere Kosten hinzu, zum Beispiel erfolgsabhängige Gebühren", sagt Scherfling.

Worauf sollten Anleger achten?


Banken-Verbandssprecherin Topar empfiehlt, den Ausgabeaufschlag und die Gebühren von mehreren Lebenszyklusfonds zu vergleichen. "Anleger sollten außerdem beim Umschichten darauf achten, dass die jährliche Verwaltungsgebühr sinkt. Denn Rentenfonds kosten in der Regel weniger als Aktienfonds. Verbraucherschützer Scherfling empfiehlt, genau hinzuschauen: "Die Laufzeit des Lebenszyklusfonds sollte zu der eigenen Situation passen", betont er. Für einen 35-jährigen Anleger könne eine Laufzeit von 30 Jahren passen - für einen 60-jährigen Anleger nicht.