Frankfurt/Main - Die Geldflut der Notenbanken hat den Dax erstmals über die Marke von 12 000 Punkten getrieben. Der deutsche Leitindex erreichte den Rekordwert am Montag (16. März) nach einer mehr als neun Wochen anhaltenden Gewinnserie.

Triebfeder der Rekordrally ist vor allem die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit ihrem Anleihekaufprogramm einen Billionenbetrag in die Märkte pumpt. Zudem hilft der Verfall des Euro: Die Gemeinschaftswährung ist kurz davor, mit dem US-Dollar vom Wert her gleichzuziehen. Das hilft der Exportwirtschaft, weil deutsche Waren dadurch im Ausland günstiger werden.

Allerdings wurden zuletzt auch die mahnenden Stimmen lauter, die einen Rückschlag auf dem Aktienmarkt fürchten. Zu Jahresbeginn hatte der
Dax erst bei rund 9800 Punkten gestanden - seitdem hat er weit mehr als 20 Prozent zugelegt. Ein derart starker Anstieg ist ungewöhnlich.


Analyst Christian Kahler von der DZ Bank warnte in der vergangenen Woche vor einer Blasenbildung. "Die Kursrally am Aktienmarkt ist nicht mehr gesund", schrieb er in einer Studie. Nichtsdestotrotz geht Kahler davon aus, dass die Kurse mittelfristig weiter steigen. Er traut dem Dax bis zum Jahresende 12 500 Punkte zu.

Ob für Anleger jetzt der richtige Zeitpunkt zum Investieren oder Verkaufen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, erklärt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Welchen Zeithorizont habe ich?


Wer größere Investitionen erst in zehn Jahren oder später plant, der kann sich überlegen, in Aktienfonds anzulegen. Braucht man in zwei Jahren Geld für den Autokauf, ist es mutig, auf Renditen aus Aktien zu setzen, erklärt Scherfling. "Dann können die Anleger nur hoffen, dass nicht ausgerechnet in dieser Zeit die Kurse fallen." Denn keiner weiß, wie lange die positive Entwicklung beim Dax noch anhält. Und eine kurzfristige Kursschwankung nach unten betrifft denjenigen viel mehr, der das Geld bald braucht.

Kann ich erst einmal auf das Geld verzichten?


Wenn es mal knallt und die Kurse in den Keller rauschen, muss der Anleger die Verluste im Zweifel auch aussitzen können. "Eine schlechte Börsenphase kann durchaus mal mehrere Jahre dauern", macht Scherfling deutlich. Das sei für die Leute ein Problem, die sagen: Ich kann nicht warten, ich muss jetzt verkaufen.

Investiere ich in Fonds oder einzelne Aktien?


Während Einzelaktien eher etwas für professionelle Anleger sind, sollten Verbraucher lieber eine Fondslösung in Betracht ziehen. Denn durch die Streuung in den Fonds nimmt man etwas Risiko heraus, erklärt Scherfling. Wer sich doch lieber einzelne Aktien aussuchen möchte und selber streuen will, schaut sich am besten erst die fundamentalen Daten der Unternehmen an - etwa im Geschäftsbericht. Allerdings reicht das alleine nicht. Denn die Psychologie an der Börse spielt ebenfalls immer eine Rolle. Gefragt ist also auch ein glückliches Händchen, ob man richtig einschätzt, wie sich die Kurse zukünftig wohl entwickeln werden.

Soll ich jetzt verkaufen?


Wer schon bei 8000 Punkten eingestiegen ist, verzeichnet jetzt einen guten Gewinn, wenn er verkauft. Allerdings könnte der Dax ja noch weiter steigen. Scherfling rät, auch bei der Frage "halten oder verkaufen?" den Zeithorizont und die individuelle Risikopräferenz zu hinterfragen: Für eine bald geplante Anschaffung ist es möglicherweise gut, nun die Gewinne einzufahren. Sind in den nächsten Jahren erst einmal keine größeren Ausgaben geplant, kann auch noch abgewartet werden. "Je weniger Zeithorizont man zur Verfügung hat und je risikoaverser man ist, desto eher lohnt es sich vielleicht, die Gewinne mitzunehmen."