Wer sich in den Chefetagen der Unternehmen in Sachsen-Anhalt umhört, der wird mit einer Erkenntnis immer wieder konfrontiert: Wachstum lässt sich nur noch über Exporte ins Ausland generieren.

Tatsächlich durchlebt die hiesige Wirtschaft seit Jahren eine Konjunkturflaute, auch für 2016 rechnet die Nord LB trotz guter Auftragslagen im Handwerk und in der Bauindustrie lediglich mit einem Wachstum von 0,2 Prozent.

Die Strategie, über Exporte zu wachsen, könnte in diesem Jahr allerdings wegen der zahlreichen internationalen Krisen scheitern. Aufgrund des Flüchtlingszustroms wird europaweit über die Wiedereinführung von Grenzkontrollen diskutiert. Sollten die Schlagbäume fallen, könnte es zu erheblichen Verzögerungen im Güterverkehr kommen, wenn Lkw in kilometerlangen Grenzstaus steckenbleiben. Für Unternehmen, die auf zügige Lieferungen angewiesen sind, wäre das ein teurer Albtraum. Und angesichts der Tatsache, dass die Firmen in Sachsen-Anhalt vorwiegend in den Euroraum liefern, könnten sich Grenzkontrollen erheblich in der Handelsbilanz niederschlagen.

Flexibilität gefordert

Fraglich ist auch, wie sich Polen, der wichtigste Handelspartner des Landes, weiterentwickeln wird. Die neue nationalistische Regierung setzt auf Konfrontation mit der EU und Deutschland. Sollte sie den Kurs beibehalten, könnte das die Handelsbeziehungen belasten. Weiter schwelen wird zudem die Russlandkrise. Die EU-Sanktionen bleiben nicht nur für russische Firmen eine Last, sondern genauso für Unternehmen in Sachsen-Anhalt, weil Moskau westliche Produkte ebenfalls weiter boykottieren wird. Kanzlerin Merkel (CDU) hat beim Neujahrsempfang der IHK Magdeburg zwar Verständnis für die betroffenen Unternehmer geäußert, gleichzeitig aber ihre Haltung gegenüber Moskau erneut bekräftigt.

Angesichts dieser Gemengenlage bleibt den Unternehmen wohl nur eines übrig: Sich möglichst breit und flexibel aufzustellen. Unter den Russland-Sanktionen haben bislang vor allem jene Firmen gelitten, die sich zu sehr auf den russischen Markt konzentriert hatten. Dem Gros ist es dagegen gelungen, auf andere Märkte auszuweichen – wenn auch unter größten Anstrengungen.

Neue Absatz-Chancen könnten sich in diesem Jahr im Iran und auf Kuba ergeben. Deutschland unterhielt in früheren Zeiten relativ gute Beziehungen zum Iran, nach dem Ende des Atomkonflikts und dem Wegfall der Wirtschaftssanktionen könnten deutsche Firmen daran anknüpfen. Ein gewisses Potenzial bietet sicher auch Kuba, wobei der Inselstaat nur relativ geringe Mittel hat, um Investitionen zu finanzieren.

Um die Flexibilität der Firmen nicht allzu stark herauszufordern, wäre die Politik gut beraten, Sanktionen gegen Moskau möglichst schnell zurückzufahren und auf Grenzschließungen zu verzichten. Sonst könnte am Ende so mancher Arbeitsplatz verloren gehen.