Vom staatlichen Labor zur Analytik-Firma

1950 wird das Zentrallabor der Öl- und Margarineindustrie der DDR in Magdeburg gegründet. Es ist der Vorläufer der späteren Öhmi Aktiengesellschaft.

1992 wird das staatliche Labor von der Treuhand privatisiert. Peter Transfeld übernimmt nach langen Verhandlungen die Regie bei Öhmi. Seine schwierige Aufgabe: die Firma im gesamtdeutschen Markt neu etablieren. Mit 32 Beschäftigten geht Transfeld an den Start.

1999 wird Öhmi in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, einzelne Geschäftsbereiche in eigene GmbHs ausgegliedert.

2013 zieht sich Peter Transfeld von der Firmenspitze zurück. Sein Sohn Carsten, der zuvor als promovierter Jurist in einer Berliner Anwalts-Kanzlei gearbeitet hatte, übernimmt die Geschäfte bei Öhmi.

Magdeburg l Auf der Suche nach neuer Kundschaft ist Öhmi-Chef Carsten Transfeld immer häufiger auf Reisen. Zu seinen Reisezielen zählen China, der Iran und auch die Ukraine. „Die Ukraine ist die Kornkammer Europas und deshalb auch für uns interessant“, erzählt Transfeld. Er kann mit seinem Unternehmen etwas bieten, was diese Länder dringend benötigen, wenn sie Waren nach Deutschland oder in die EU exportieren wollen: Qualitätsanalysen und Zertifizierungen.

Nur wer bestimmte Sicherheits- und Qualitätsstandards erfüllt, darf auch in den EU-Binnenmarkt liefern. Transfeld bietet daher ausländischen Produzenten an, ihre Produkte über Öhmi analysieren und Prozesse zertifizieren zu lassen. Zudem berät er mit seiner Firma auch Unternehmen und Länder, die eigene Prüfeinrichtungen nach westlichen Standards aufbauen wollen. Analytik ist ein Geschäftsfeld, mit dem Öhmi nach der Wende einst als Privatfirma gestartet ist. Heute ist es ein breit aufgestelltes Dienstleistungsunternehmen, das am Montag 25-jähriges Privatisierungs-Jubiläum feiert.

Zehn Jahre keinen Urlaub

Peter Transfeld, der Vater des heutigen Öhmi-Chefs, kann sich gut an die Anfänge erinnern. Er selbst hat zu DDR-Zeiten als Ingenieur im Zentrallabor für die Öl- und Margarineindustrie, dem staatlichen Vorläufer von Öhmi, gearbeitet. „Die Treuhand wollte das Labor nach der Wende privatisieren, fand aber zunächst keine Investoren“, erzählt er. Kein Wunder, denn in den wirtschaftlichen Umbrüchen nach 1990 gab es kaum ostdeutsche Firmen, die die Dienste des Labors in Anspruch genommen hätten. „Die westdeutschen Lebensmittelfirmen wiederum hatten ihre eigenen Labors im Westen.“

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Weil die Abwicklung drohte, entschieden sich Peter Transfeld und leitende Angestellte, selbst das Labor mit seinen 32 Mitarbeitern zu übernehmen – ein Wagnis, denn große finanzielle Rücklagen hatte er nicht. „In den ersten zehn Jahren habe ich keinen Urlaub gemacht“, betont er. Doch ihm gelang es, Öhmi neu am Markt zu positionieren. Zunächst vor allem im Bereich der Umwelt-Analytik und technischer Dienste. „Die industriellen Altlasten und Verschmutzungen in den Böden und Gewässern mussten beseitigt werden“, berichtet Peter Transfeld, „wir haben die nötigen Analysen und Konzepte geliefert.“ In den Folgejahren sei es Öhmi dann gelungen, wieder als Labor für die Ernährungsbranche fuß zu fassen.

Heute ist die Öhmi AG ein großes Dienstleistungsunternehmen, beschäftigt mittlerweile mehr als 160 Mitarbeiter. Die Geschäftsfelder sind breit gefächert. Im klassischen Bereich Analytik bietet Öhmi etwa Lebensmittel- und Umweltanalytik an. Auch die Legionellenanalytik für Trinkwasser gehört dazu, das Unternehmen kooperiert hierbei unter anderem mit den kommunalen Betrieben.

Im Bereich Zertifizierung prüft Öhmi heutzutage beispielsweise die Managementsysteme über das gesamte Industriespektrum, von Bauunternehmen, über Krankenhäuser bis hin zu Ver- und Entsorgungsunternehmen. Hinzugekommen sind außerdem Geschäftsbereiche wie Immobiliendienstleistungen. Öhmi bietet etwa Landschaftspflege sowie Reinigungs- und Winterdienste an. Die ganze Produktpalette soll sich unter den Kernthemen Qualität, Sicherheit, Umwelt und Gesundheit wiederfinden. „Unser Geschäft zeichnet sich heute vor allem dadurch aus, dass wir die Bedürfnisse und Probleme unserer Kunden erkennen und dafür Lösungen anbieten“, sagt Carsten Transfeld. Angaben zu Geschäftszahlen will er wegen der aufmerksamen Konkurrenz nicht machen.

Erfolgreiche Übergabe

Der 37-Jährige leitet das Unternehmen inzwischen seit fünf Jahren, doch die Meinung seines Vaters schätzt der promovierte Jurist nach wie vor. Peter Transfeld erklärt das so: „Früher habe ich meinen Sohn um juristischen Rat gefragt, jetzt kommt er zu mir, wenn er eine technische Frage hat.“ Es wirkt so, als sei die Nachfolgeregelung an der Öhmi-Firmenspitze geglückt. „Das ist auch ein wichtiges Zeichen für Mitarbeiter und Kunden“, betont Senior Peter Transfeld. „Das zeigt, dass die Firma auch weiterhin erfolgreich in die Zukunft blicken kann.“

Peter Transfeld hat aber auch Verständnis dafür, dass andere nicht so leicht von ihrer Firma loslassen können. „Einige glauben, dass sie dann an Bedeutung verlieren.“ Ihm sei dies auch deshalb nicht so ergangen, weil er eben hin und wieder noch eingebunden wird. Das Jubiläumsfest etwa sei seine Aufgabe gewesen.

Während bei vielen Unternehmen in Sachsen-Anhalt Nachfolge-Regelungen erst noch gefunden werden müssen, kann sich Öhmi getrost auf die künftigen Geschäfte und Herausforderungen orientieren. Carsten Transfeld will etwa im Bereich Digitalisierung investieren. „Wir haben einen hohen fünfstelligen Betrag für die Entwicklung einer Software ausgegeben, mit der wir unsere Logistik effizienter und kundenfreundlicher gestalten wollen.“ Noch in diesem Jahr sollen außerdem der Firmensitz ausgebaut werden, die Analytiker sollen für ihre Laborarbeiten mehr Platz bekommen. „Im Dienstleistungsbereich muss man sich täglich neu beweisen“, betont Transfeld.

Auch das internationale Geschäft will er weiter ausbauen. Etwa 15 Prozent der Aufträge im Bereich Zertifizierung und Analytik würden derzeit aus dem Ausland kommen. „Die Geschäfte in anderen Ländern muss man allerdings mit Augenmaß und Schritt für Schritt entwickeln“, erklärt er. Manche Länder hätten es nur auf das mühsam erarbeitete Firmenwissen abgesehen, um dann selbst entsprechende Kapazitäten aufzubauen. „Dennoch bemühen wir uns aber darum, langfristige internationale Partnerschaften aufzubauen“, betont Transfeld.

Bevor er wieder auf Reisen ins Ausland fährt, will er aber zunächst mit seinem Vater, Freunden und Mitarbeitern aufs Jubiläum anstoßen.