Berlin (fb/dpa) l Halle wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch im vergangenen Jahr die NO₂-Grenzwerte überschritten haben. Das geht aus einer Schätzung des Umweltbundesamtes hervor, die gestern veröffentlicht wurde. Demnach sind in der Saalestadt im Schnitt 43 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen worden – erlaubt sind 40.

Wegen der schlechten Luft in Halle hatte die Deutsche Umwelthilfe bereits im Oktober 2017 eine Klage gegen die Kommune eingereicht, da die zulässigen Grenzwerte seit Jahren an der vielbefahrenen Paracelsusstraße überschritten werden. Halle habe seine Hausaufgaben so gut wie gemacht, sagte Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) damals. Eine Umgehungsstraße werde Anfang 2019 für den Verkehr freigegeben. „Wir gehen davon aus, dass das Problem in der Paracelsusstraße dann gelöst ist“, erklärte Dalbert.

Höchste Belastung in München

Im Gesamtschnitt sind die Werte im Bereich der Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase zurückgegangen, wie das Umweltbundesamt mitteilte. Der Grenzwert zum Schutz der Gesundheit wurde noch in rund 70 Kommunen statt wie 2016 in 90 Städten überschritten. Die höchste Belastung mit Stickstoffdioxid (NO₂) gab es trotz eines leichten Rückgangs in München. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden im Jahresmittel 78 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter Luft gemessen. Es folgten die bisher am stärksten belastete Stadt Stuttgart mit 73 und Köln mit 62 Mikrogramm.

Den vorläufigen Daten zufolge haben im vergangenen Jahr 37 Städte den Grenzwert sicher überschritten, „wahrscheinlich“ ist es bei weiteren 29 Städten der Fall. Den Grenzwert sicher wieder eingehalten haben demnach zehn Städte, die 2016 noch darüber lagen. Weiteren 15 Städten gelang dies wahrscheinlich.

Politik und Autobranche wollen Diesel-Abgase reduzieren, um drohende Fahrverbote zu vermeiden. Der EU-Kommission reichen die bisherigen Anstrengungen für saubere Luft nicht aus, sie könnte Deutschland beim Europäischen Gerichtshof verklagen.

Die deutschen Autobauer hatten bei einem Dieselgipfel der Bundesregierung im Sommer 2017 unter anderem Software-Updates bei zusätzlichen 2,8 Millionen Autos zugesagt.