Magdeburg l Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, fordert einen Politikwechsel in Europa, um den wachsenden Populismus einzudämmen. „Das Spar-Diktat, das einigen Ländern Südeuropas verordnet wurde, hat bewirkt, dass sie Jahre nach der Finanzkrise noch immer im Koma liegen", kritisiert Hoffmann im Interview mit der Volksstimme. Bis zu 50 Prozent Jugendarbeitslosigkeit seien „unerträglich". „Hier muss ein Politikwechsel her, damit wir das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen. Die soziale Dimension muss in den Vordergrund rücken, wir brauchen ein Wachstums- und Investitionsprogramm, das wieder mehr Beschäftigung überall in Europa generiert."

Den Rezepten der Populisten erteilt er eine Absage. „Ich halte es für gefährlich, in Kleinstaaterei zurückzufallen", so Hoffmann. Fatal wäre aus seiner Sicht auch ein Austritt aus dem Euro: „Wenn wir zur D-Mark zurückkehren würden – wie es manche Populisten fordern – dann wären wir den Titel Exportweltmeister sofort los, weil die D-Mark 20 bis 30 Prozent an Wert gewinnen und unsere Produkte damit viel teurer machen würde."

Heftige Kritik übt Hoffmann auch an der AfD: „Das ist keine Partei der kleinen Leute. Sie wollen die Menschen länger arbeiten lassen, aber sie sollen privat für die Arbeitslosigkeit vorsorgen. Mal ist sie für, mal gegen den Mindestlohn. Sie vertritt hinterwäldlerische Politik-Konzepte, die keine Antworten auf zukünftige Herausforderungen geben", so Hoffmann. „Wir benötigen vielmehr ein Engagement für Weltoffenheit, Demokratie und Menschenrechte – doch damit hat die AfD gar nichts am Hut. Sie hat keine Politikangebote, die auch nur im Ansatz die Lebensbedingungen der Menschen in Deutschland verbessern würden."