Magdeburg l Zwischen Januar und Juli haben die Unternehmen in Sachsen-Anhalt deutlich weniger Waren ins Ausland verkauft als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wie aus den Erhebungen des Statistischen Landesamtes hervorgeht, sank der Wert der exportierten Güter um 4,5 Prozent auf 8,6 Milliarden Euro.

Große Rückgänge verzeichneten die Unternehmen beim Handel mit Polen, hier belief sich das Minus auf 7,2 Prozent, der Wert der Ausfuhren schrumpfte auf rund 881 Millionen Euro. Seit Jahren ist das EU-Nachbarland der wichtigste Handelspartner Sachsen-Anhalts, Rückgänge wirken sich daher besonders negativ in der Gesamtbilanz aus.

Ministerium spricht von Momentaufnahme

Stark nachgelassen haben auch die Güterströme über den Atlantik, das US-Geschäft brach um 14 Prozent auf 516 Millionen Euro ein. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums erklärte auf Volksstimme-Anfrage, dass der Rückgang mit der aktuellen Investitionszurückhaltung in den USA zusammenhängen könnte.

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Das Wirtschaftsministerium betonte weiter, bei den aktuellen Exportzahlen handele es sich vorerst nur um eine Momentaufnahme. „Sie lassen aus unserer Sicht noch keine belastbaren Rückschlüsse auf die Entwicklung der sachsen-anhaltischen Außenwirtschaft im Gesamtjahr 2016 zu“, so Sprecher Robin Baake. Ähnlich sieht das die Magdeburger Industrie- und Handelskammer, sie rechnet damit, dass der Außenhandel zum Jahresende noch anziehen wird.

Vom geplanten Austritt Großbritanniens aus der EU haben sich die Unternehmen hierzulande bislang nicht verunsichern lassen. Die Geschäfte mit dem nach Polen zweitwichtigsten Handelspartner nahmen in der ersten Jahreshälfte um 5,6 Prozent auf 709 Millionen Euro zu.

Russland-Handel geht weiter zurück

Kräftiges Wachstum ist auch beim Handel mit China zu verzeichnen, hier stiegen die Exporte um 7,5 Prozent auf 422 Millionen Euro. Vor dem Hintergrund, dass sich die chinesische Wirtschaft derzeit in einer Umbruchsphase mit geringeren Wachstumsraten befindet, ist das eine beachtliche Leistung.

Weiterhin rückläufig ist der Handel mit Russland, hier setzt sich der Negativ-Trend aus den vergangenen drei Jahren fort. Hauptursache hierfür sind die weiterhin bestehenden Wirtschaftssanktionen, mit denen sich die EU und Russland gegenseitig im Zuge des Ukraine-Konflikts belegt haben.

Mit einer Erholung wird hier in absehbarer Zeit nicht zu rechnen sein, derzeit mehren sich in Berlin und auf europäischer Ebene gar Stimmen, weitere Sanktionen gegen Russland wegen der schweren Bombardements in Syrien zu verhängen.

Die schwächelnde Nachfrage aus dem Ausland konnten die Unternehmen aber offenbar mit einer stärkeren Nachfrage aus dem Inland ausgleichen. Denn im ersten Halbjahr 2016 verzeichnete die hiesige Wirtschaft ein Wachstum von 1,7 Prozent – nach Jahren der Stagnation ein vergleichsweise guter Wert.

Im Bundesvergleich hinkt das Land aber sowohl beim Wachstum als auch bei den Exporten weiter hinterher. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent, die Exporte legten zuletzt um 1,2 Prozent zu.