Eggersdorf l Mit wachem Blick und ohne Eile geht Friedrich Karl Franzmeyer von Stand zu Stand, schaut sich in aller Ruhe an, was die Aussteller zu bieten haben. Der Leiter des Arbeitskreises Braunschweiger Luftfahrtgeschichte ist kein Unbekannter bei den Großtauschtagen der Sammler und Ordensliebhaber. „Wenn die Treffen sind, sind wir hier“, erzählt der ältere freundliche Herr. Mit „wir“ sind Jürgen Helmke und er gemeint. Helmke kommt aus Wolfsburg und ist ebenfalls Mitglied im Arbeitskreis Braunschweiger Luftfahrtgeschichte. Beide haben zu diesem Thema schon Bücher veröffentlicht. Somit ist klar, nach was sie Ausschau halten: Zeitzeugnisse jeglicher Art rund um die Luftfahrt. Und auch dieses Mal sind sie wieder fündig geworden, sagt Helmke stolz und zeigt Franzmeyer seine „Ausbeute“: einen Fliegerausweis aus dem Ersten Weltkrieg aus Halberstadt. „Mich interessiert alles, was mit Luftfahrt zu tun hat, nicht nur die Braunschweiger“, erklärt Helmke.

Der Halberstädter Fliegerausweis wird einen guten Platz bei dem Wolfsburger finden. Denn Helmke hat ein privates Luftfahrt-Museum. „Nicht nur ein Zimmerchen voll“, betont er, „sondern auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern“. Mit zu seinem Museum gehöre auch eine Skoda-Sammlung. Für diese zeichne Peter Sudeck verantwortlich. Er zeige dort Fahrzeuge, die zwischen 1925 und 1961 gebaut worden sind, erzählt Helmke. „Einer von seinen Skodas, die er zeigt, ist bei der Rallye Monte Carlo dabei gewesen. Der mehrfache deutsche Rallyemeister Matthias Kahle ist ihn gefahren und hat gewonnen.“

Er ist immer dabei: Berthold Metzele

Wer auch immer vor Ort ist, wenn Reinhard Banse, Landesvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Ordenskunde, zum Treffen einlädt, ist Berthold Metzele. Der Gifhorner ist sowohl bei den kleineren Zusammenkünften im Hotel Domicil in Schönebeck präsent, als auch bei den Großtauschtagen erst im „Braunen Hirsch“ Grünewalde und seit dem Hochwasser 2013 in der „Bördelandhalle“ Eggersdorf. „Der Zusammenhalt ist toll, es ist alles sehr familiär“, das schätze er an den Veranstaltungen. Und darum versuche er auch, immer mit dabei zu sein und von seit Anfang an, sprich seit mehr als 20 Jahren. Er selbst ist Verkäufer und Käufer zugleich. Als Aussteller bietet er militärhistorische Gegenstände von 1800 bis 1960 an, vorrangig Uniformen und Ausrüstungen. „Ich kaufe, tausche und verkaufe, weil ich auch selbst sammle“, sagt Berthold Metzele, denn er arbeite derzeit am Aufbau einer militärhistorischen Sammlung in Wesendorf. Und auch dieses Mal ist er in Eggersdorf wieder erfolgreich gewesen: ein Bajonett von 1908 verkauft, eine Ausrüstung von 1914 gekauft.

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Eine nicht ganz so weite Anreise zum Großtauschtag hatte Manfred Rumler. Er wohnt in Kleinmühlingen. Die Treffen besucht er gern und regelmäßig. „Ich bin geschichtlich interessiert“, sagt er. Danach gefragt, woher dies rühre, erzählt er, dass er als Kind auf dem Nachbargehöft einen Säbel, datiert vom Februar 1813, gefunden habe. „Es ist ein französischer Säbel. Er könnte in der Völkerschlacht bei Leipzig im Einsatz gewesen sein“, so eine wage Vermutung von ihm. Dieses Stück habe ihn fasziniert - und die Faszination von Blankwaffen hält bis heute an. Er habe auch preußische Offiziersdegen daheim, so Rumler und betont: „Nur als dekorative Stücke. Ich will den Krieg auf keinen Fall verherrlichen. Es sind Erinnerungsstücke, sie gehören zu Geschichte, leider eine sehr leidvolle.“

Organisator ist zufrieden

Und Reinhard Banse? Der Organisator des Großtausches ist zufrieden. „Die Leute kommen von Süd- bis Norddeutschland. Die Anfrage ist so groß, dass beim nächsten Mal mit einer weiteren Reihe noch mehr Platz für Aussteller geschaffen werden soll“, sagt der Schönebecker. Beim großen Treffen am Sonnabend in Eggersdorf kann er sich über rund 100 Aussteller und Hunderte Besucher freuen. „Ich schätze rund 900  ... Es ist ja ein ständiges Kommen und Gehen“, so Banse. Worauf er sehr viel Wert legt: Schusswaffen jeglicher Art haben dort nichts zu suchen. Und Hieb- und Stichwaffen auch nur unter bestimmten Voraussetzungen (angebunden, angekettet). Und alles natürlich im Vorfeld bei der Landkreisverwaltung angemeldet. Seine Philosophie, wie er die Treffen organisiert, ist gut. Das zeigt ihm die Resonanz.

Nächster Großtausch: 12. November, von 9 bis 15 Uhr in Eggersdorf.