Frankfurt/Main - Buchpreis-Trägerin Terézia Mora hat zum Auftakt ihrer Frankfurter Poetikvorlesungen beklemmende Kindheitserinnerung aus Ungarn und die Entwicklung ihres literarischen Schaffens in Berlin geschildert.

Gefühle der Enge und der Gewalt hätten sie dazu gebracht, das katholisch-bäuerlich geprägte Dorf zu verlassen und mit 19 Jahren 1990 nach Berlin zu gehen, berichtete die mehrfach ausgezeichnete Autorin am Dienstagabend in der Universität.

Im Berlin der Übergangszeit - direkt nach der Wende - habe sie zunächst für einen Filmproduzent ("dreiste Ausbeutung") gearbeitet und Drehbuch studiert, bevor sie ihre erste Erzählung "Durst" schrieb. "Erst die konkreten Dinge, dann das, wofür sie stehen", beschrieb die 42-Jährige die Grundlage ihres Debüts, des Erzählbandes "Seltsame Materie" (1999). Diese Methode habe aber nur für ein Buch gereicht.

Für ihren Roman "Das Ungeheuer" hatte Mora 2013 Deutschlands wichtigsten Buchpreis bekommen. Der zweigeteilte, 700 Seiten starke Roman ist zugleich Road-Novel und - abgetrennt durch eine Linie - Tagebuch einer depressiven Frau, die sich das Leben nimmt.

"Nicht sterben" lautet der Titel von Moras fünf Vorlesungen. Die 1959 gegründete Stiftungsgastdozentur hatten bereits rund 65 Autoren inne, darunter Alexander Kluge, Uwe Timm und Juli Zeh. Im Sommersemester 2014 übernimmt Daniel Kehlmann.