Berlin - Ein Insolvenzplan sollte dem gebeutelten Traditionshaus Ruhe bringen. Doch danach sieht es nicht aus.

Bei der geplanten Umwandlung des Suhrkamp Verlags in eine Aktiengesellschaft will Miteigentümer Hans Barlach eine Mehrheit von Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz verhindern.

Der Verwaltungsratspräsident von Barlachs Schweizer Medienholding, Rechtsanwalt Carl Ulrich Mayer, sagte der Nachrichtenagentur dpa, bei einer möglichen Kapitalerhöhung werde die Medienholding den Einstieg eines weiteren, unabhängigen Investors unterstützen.

Man sei bereits in Gesprächen mit sehr interessanten Investoren. "Das wird ein Angebot sein, das der Vorstand nicht so leicht ablehnen kann. Frau Unseld-Berkéwicz wird damit ihre Aktienmehrheit verlieren", sagte Mayer.

Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil sagte, ihr Haus habe keine Hinweise, dass die Familienstiftung ihre dominante Position im Verlag aufgeben wolle. Berkéwicz ist über die Familienstiftung mit 61 Prozent an Suhrkamp beteiligt, Barlach über seine Medienholding mit 39 Prozent. Beide sind seit Jahren zutiefst zerstritten.

Rechtsanwalt Mayer kündigte zudem an, dass Barlach "aller Voraussicht nach" sofortige Beschwerde gegen die geplante Umwandlung des Verlags in eine AG einlegen wird. "Wir kämpfen weiter gegen diesen Plan. Er benachteiligt einseitig die Gesellschafter und hätte in dieser Form nicht genehmigt werden dürfen", so der Anwalt.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hatte am Mittwoch grünes Licht für den von Unseld-Berkéwicz vorgelegten Insolvenzplan gegeben. Mit der darin vorgesehenen Schaffung einer Suhrkamp AG verlöre Barlach weitgehende Mitspracherechte. Eine Beschwerde würde das Ende der Insolvenz nochmals hinauszögern.

Der Verlag ist nach den Worten von Sprecherin Postpischil gleichwohl zuversichtlich, das Insolvenzverfahren zügig abzuschließen. "Der Umfang einer kommenden Kapitalerhöhung wird vom zukünftigen Vorstand und mit Zustimmung des Aufsichtsrats festgelegt werden", sagte sie.

Barlachs Medienholding ist laut Mayer durch den kürzlichen Eintritt des Berliner Unternehmers Dirk Möhrle, früher Chef der Baumarktkette Max Bahr, in den Verwaltungsrat gestärkt worden. "Man kann sich ausmalen, dass ein Mann wie Möhrle nicht nur seinen Namen gibt, wenn er so einen Schritt macht", sagte Mayer, der dem Führungsgremium ebenfalls angehört.

An den Verkauf seiner Anteile denkt Barlach nicht. "Im Gegenteil. Wir würden auch Frau Unseld-Berkéwicz herauskaufen, wenn sie ihre Beteiligung aufgeben würde. Das wäre sicher eine Alternative, um den Verlag wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen", so der Anwalt. "Das Wichtigste ist jetzt, dass Suhrkamp nach 10 Jahren roten Zahlen operativ in die Gewinnzone geführt wird und endlich wieder wirtschaftlich arbeiten kann."

Barlach hatte im Herbst 2013 auch Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt, weil er sich durch das Insolvenzverfahren in seinen Grundrechten beschnitten sieht. Mayer geht davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Beschwerde inhaltlich entscheiden wird. "Würde das Gericht sie für aussichtslos halten und nicht annehmen wollen, hätte es das schon längst getan."