London - Überraschung in der britischen Literaturszene: Das Buch eines Krankenpflegers, der bei seinem Debüt als Schriftsteller seine Erfahrungen mit psychisch Kranken niederschrieb, wurde mit dem renommierten Costa-Literaturpreis als Buch des Jahres ausgezeichnet.

Preisträger Nathan Filer hatte bei der Verleihung am Dienstagabend in London nicht einmal eine Rede vorbereitet - er hatte nicht mit der Auszeichnung gerechnet. Als Favoritin hatte stattdessen die Bestsellerautorin Kate Atkinson ("Das vergessene Kind") gegolten, die 2012 unter anderem den Radio-Bremen-Krimipreis erhalten hatte.

Filers erhielt ein Preisgeld in Höhe von 30 000 Pfund (rund 36 000 Euro). In seinem ersten Roman geht es um einen 19-Jährigen, der Zeuge des Todes seines Bruders und später psychisch krank wird. Themen der Geschichte sind Schizophrenie, aber auch Verlust und Schuld. Filer hatte selbst als Krankenpfleger in der Psychiatrie im englischen Bristol gearbeitet. Mittlerweile unterrichtet er kreatives Schreiben an der Universität der Nachbarstadt Bath.

Bisher hatte er sich schriftstellerisch vor allem mit Gedichten einen Namen gemacht und war bei Festivals aufgetreten. Für die BBC trat er als Stand-Up-Comedian auf, der Sender ernannte ihn außerdem zum besten Nachwuchs-Filmemacher.

"Das Buch ist außerordentlich bewegend, ohne sentimental zu sein - wir hoffen sehr, mehr von diesem Autor zu lesen", sagte die Jury-Vorsitzende Rose Tremain. Filer hatte den Stoff seines Buches als Kurzgeschichte angelegt, ihn später aber zum Roman ausgebaut.

Der Costa Book Award wird an Autoren aus Großbritannien und Irland verliehen. Er gilt als zweitwichtigste Auszeichnung für Autoren nach dem Booker-Preis in Großbritannien.