Leipzig - Das Votum der Schweizer zur Zuwanderung hat Dani Landolf Anfang Februar eiskalt erwischt. Der Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbandes rührt seit Monaten die Werbetrommel für den "Auftritt Schweiz" auf der Leipziger Buchmesse.

Weltoffen und vielfältig will sich die Schweiz in Leipzig präsentieren, ihren Verlagen und Autoren soll der Gastland-Auftritt Türen in Deutschland öffnen. Da fügt es sich so gar nicht, dass die Schweizer nach der Volksabstimmung die Grenzen hochziehen und die Zuwanderung für Ausländer begrenzen wollen.

"Wir hatten Angst, dass es so kommen wird. Es ist für alle schädlich. Eine Abschottung kann keine Lösung sein, sondern nur die Offenheit. Die Schweiz lebt wirtschaftlich wie kulturell von Einwanderern. Und ausgerechnet diese Schweiz, die von Liberalität und Offenheit über die Jahrhunderte profitiert hat, schottet sich jetzt so ab", sagt Landolf. "Aber wir haben jetzt in Leipzig die Chance zu zeigen: Es gibt eine andere Schweiz." Er erwarte viele Diskussionen zwischen Autoren und Publikum auf der Leipziger Buchmesse. "Das wird überall ein Thema sein."

Rund 70 Schweizer Verlage werden sich in Leipzig präsentieren, mehr als 80 Autoren aus allen vier Sprachräumen - deutsch, französisch, italienisch und rätoromanisch - wollen nach Sachsen kommen. Bekannte Namen sind dabei wie Franz Hohler oder Büchnerpreisträger Adolf Muschg, aber auch jüngere Autoren gilt es zu entdecken. Auch der Top-Seller unter den Schweizer Autoren, Martin Suter, hat sein Kommen angekündigt. Sein neuestes Werk "Allmen und die verschwundene Maria" erscheint kurz vor der Buchmesse im März.

Schweizer Autoren hätten es schwer, Aufmerksamkeit in Deutschland zu gewinnen, sagt Verbandschef Landolf. Auch der Umsatzanteil, den eidgenössische Verlage in Deutschland erzielen, sei ausbaufähig. Die Deutschschweizer Verlage erreichten nach Verbandsangaben 2013 einen Umsatzanteil von gerade einmal 2,3 Prozent. Den Großteil davon erwirtschaftete Diogenes, der einzige wirklich große Publikumsverlag der Schweiz. Österreich schlage sich auf dem deutschen Buchmarkt mit einem Umsatzanteil von rund 7 Prozent besser.

In Leipzig wollen die Schweizer mit ihrem 500 000 Franken (rund 410 000 Euro) teuren Auftritt auch mit dem Rahmenprogramm punkten. Schon vor der Messe-Eröffnung ist am 8. März ein Auftaktfest im Leipziger Schauspielhaus geplant. Außerdem soll es einen Poetry-Slam Schweiz gegen Deutschland geben. Die Straßenbahnlinie 16, die zum Messegelände fährt, wird zur Lesebühne für die Spoken-Word-Formation "Bern ist überall". Und zum Abschied gibt es am Buchmesse-Sonntag ein Stück des neben Max Frisch wohl bekanntesten Schweizer Autors auf der Theaterbühne: Das Schauspiel Zürich gastiert mit einer Aufführung von Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker".