München - Die Bayerische Staatsbibliothek hat von den Nazis geraubte Bücher an eine jüdische Kunsthändlerfamilie zurückgegeben. Sieben Bände aus der Reihe "The Spanish Series" von Albert F. Calvert wurden an die Tochter des Kunsthändlers Ludwig Bernheimer ausgehändigt, wie die Bibliothek mitteilte.

Adolf Hitlers Geheime Staatspolizei hatte sie Ende 1938 beschlagnahmt und der Staatsbibliothek übergeben. Seit 2003 sucht die Bibliothek nach eigenen Angaben in Eigeninitiative nach NS-Raubgut in ihren Beständen.

Zwischen November 1938 und Februar 1939 raubte die Geheime Staatspolizei in München 68 jüdischen Familien in München ihren Kunstbesitz, darunter war auch die renommierte Kunsthändlerdynastie Bernheimer.

In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Geschäftshaus der Kunst- und Antiquitätenfirma L. Bernheimer am Lenbachplatz zerstört. Wenig später wurden Familienmitglieder gefangen genommen und mehrere Wochen im Konzentrationslager Dachau festgehalten. Kurze Zeit später beschlagnahmte die Gestapo dann Kunst- und andere Wertgegenstände aus den Privatwohnungen.

Der Generaldirektor der Bibliothek, Rolf Griebel, zeigte sich erfreut über die Rückgabe der Bücher rund 76 Jahre später. "Sie sind damit zu ihrer rechtmäßigen Eigentümerin zurückgekehrt", sagte er laut Mitteilung. "Die Bayerische Staatsbibliothek bedauert zutiefst die Hintergründe und Umstände, wie sie 1938 ins Haus gelangten, ebenso die damalige Verstrickung in das geschehene Unrecht."

Derzeit würden weitere Restitutionen vorbereitet - nicht nur an jüdische Vorbesitzer, sondern auch an Freimaurerlogen in Deutschland und Österreich sowie an die Zeugen Jehovas.