Mexiko-Stadt - Schon zu Lebzeiten war Octavio Paz fast eine Legende. Wenn er das Wort ergriff, dann spitzte ganz Mexiko die Ohren, denn auch zu aktuellen politischen Fragen hatte der Poet immer etwas zu sagen.

Mit seinen Gedichten gewann Paz die höchsten literarischen Auszeichnungen, mit seinen Essays prägte er das Mexiko-Bild von Lesern in allen Erdteilen. Am 31. März würde der Literaturnobelpreisträger 100 Jahre alt.

16 Jahre nach seinem Tod lässt Mexiko seinen berühmten Sohn hochleben. Das Abgeordnetenhaus hat 2014 zum "Octavio-Paz-Jahr" erklärt. Mit Symposien, Lesungen, Studien, Konzerten, einer Sonderbriefmarke und sogar einem Los der Nationallotterie wird an den Literaten erinnert. Allen Schülern, die in diesem Jahr die Sekundarschule abschließen, schenkt das Erziehungsministerium einen Octavio-Paz-Band.

Geboren wurde Octavio Paz 1914 in der heißen Phase der mexikanischen Revolution, die das Land rund ein Jahrzehnt in Atem hielt. Mit 19 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband. International berühmt wurde Octavio Paz mit seinem 1950 veröffentlichten Essay "El laberinto de la soledad" ("Das Labyrinth der Einsamkeit"), einer tiefschürfenden Studie des mexikanischen Wesens und der Gesellschaft des Landes.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen außerdem das lange Gedicht "Sonnenstein", die monumentale Studie "Sor Juana Ines de la Cruz oder die Fallstricke des Glaubens" über eine frühe Feministin aus der Kolonialzeit sowie "Der menschenfreundliche Menschenfresser", ein Essay über den autoritären und zugleich paternalistischen Charakter des damaligen mexikanischen Herrschschaftsystems. Auf Deutsch sind im Suhrkamp-Verlag 26 Titel von Octavio Paz erschienen. Neuauflagen zum Hundertsten sind nach Verlagsangaben nicht vorgesehen.

"Er ist einfach der wichtigste Intellektuelle ganz Lateinamerikas des 20. Jahrhunderts", findet die deutsche Hispanistin Michi Strausfeld. Mit seinem Lebenswerk habe er eine große Bandbreite abgedeckt, es gelte ihn als Dichter und als Denker zu feiern.

1982 erhielt Paz den Cervantes-Preis - den höchsten Literaturpreis des spanischen Sprachraums -, 1984 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1990 schließlich den Nobelpreis. Er hat aber nicht nur vom Schreiben gelebt. Von 1943 bis 1953 war er Diplomat in London und Paris und von 1962 an mexikanischer Botschafter in Neu Delhi. 1968 legte er den Posten unter Protest nieder, nachdem die mexikanische Armee unter demonstrierenden Studenten ein Massaker angerichtet hatte.

Politisch war Paz in jungen Jahren dem Marxismus zugeneigt, brach damit aber schon nach dem Hitler-Stalin-Pakt 1939. In der linkslastigen lateinamerikanischen Intellektuellenzunft wurde er später zum konservativen Außenseiter. So sehr er den Zusammenbruch des Kommunismus begrüßte, warnte er 1990 in seiner Nobelpreisrede aber auch vor Exzessen des Marktes und der Konsumgesellschaft.

In den letzten Lebensjahren war Paz von Krankheiten gezeichnet. Ende 1996 brannte seine private Bibliothek, der Verlust hunderter Bücher traf ihn hart. Im November 1997 meldete eine Nachrichtenagentur fälschlich seinen Tod. "Ich bedauere, dass diejenigen, die sich bemühen, mich zu töten, dies mit so viel Eile tun", kommentierte Paz. Fünf Monate später hatte ihn der Krebs besiegt.