New York - Eindeutiger hätte das Komitee des Pulitzer-Preises nicht werden können: Die Jury hat den bedeutendsten Journalistenpreis den beiden Zeitungen zuerkannt, die den Abhörskandal um den Geheimdienst NSA öffentlich gemacht hatten.

In der wichtigsten Kategorie, die nicht umsonst "Dienst an der Öffentlichkeit" heißt, wurde der Preis extra geteilt, um sowohl die "Washington Post" als auch den "Guardian" ehren zu können.

Letzterer ist eine britische Zeitung und kann damit eigentlich gar keinen Pulitzer-Preis bekommen. Die Jury fand einen Ausweg und ehrte höchst ungewöhnlich nur einen Auslandsableger, nämlich die US-Ausgabe des "Guardian". Die Zeitung habe "mit ihrer streitlustigen Berichterstattung geholfen, einen Funken an die Debatte um staatliche Überwachung und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Privatsphäre zu legen". Oder anders gesagt: einen Skandal öffentlich gemacht.

Bei der "Washington Post", die auch die Papiere des Informanten Edward Snowden veröffentlicht hatte, ist die Begründung in einigen Teilen wortgleich. Bei ihr wurde hinzugefügt, dass das Vorzeigeblatt aus der Hauptstadt den Preis erhalte, weil bei der "Enthüllung der weitreichenden Überwachung durch die National Security Agency" die "maßgeblichen und aufschlussreichen Berichte der Öffentlichkeit halfen, den größeren Rahmen zu verstehen".

Erst am Freitag war der Journalist geehrt worden, der mit Snowdens Informationen alles ins Rollen gebracht hatte: Glenn Greenwald hatte, ebenfalls in New York, den renommierten George-Polk-Preis bekommen, zusammen mit seinen Kollegen Laura Poitras, Ewen MacAskill und Barton Gellman, die am gleichen Thema gearbeitet hatten. Der Brite war zum ersten Mal seit Aufdeckung der Schnüffelei wieder in den USA.

Die Pulitzer-Preise in den anderen Kategorien verschwinden dahinter fast ein bisschen. Es gibt sie auch für Sachbücher und Romane, Biografien und sogar einen für Musik.

Donna Tartt ("Die geheime Geschichte") bekam den Hauptpreis in Literatur für ihren Roman "Der Distelfink". Er schildert den Kampf eines Jungen, nachdem seine Mutter bei einem Bombenanschlag ums Leben kam. Dabei kommt der 13-Jährige einem Geheimnis auf die Spur. Nach Ansicht der Jury ist der Roman "wunderschön geschrieben" und die Charaktere sind "ausgezeichnet entworfen".

Bestes historisches Werk war für das Komitee "The Internal Enemy: Slavery and War in Virginia, 1772-1832" von Alan Taylor über Sklaverei im Bundesstaat Virginia, der Heimat von George Washington und Thomas Jefferson. Die beste Biografie habe Megan Marshall mit "Margaret Fuller: A New American Life" über die Schriftstellerin geschrieben. Mit dem Preis für Poesie wurde der in Indien geborene Vijay Seshadri für "3 Sections" geehrt, der für Musik ging an John Luther Adams für sein Orchesterwerk "Become Ocean".

Aber das Herz der Auszeichnung sind Ehrungen für Journalisten, die keiner kennt, die für Blätter arbeiten, von denen man kaum etwas gehört hat. Aber die doch trotz Gegenwind beharrlich Missstände aufzeigen.

So deckte Chris Hamby ein Kartell aus Anwälten und Ärzten auf, die kranke Bergarbeiter um ihre Entschädigungen brachten. Zwei Reporter der "Tampa Bay Times" aus Florida zeigten, unter welch armseligen Bedingungen Obdachlose in Wohnprojekten hausen. "The Gazette" aus Colorado Springs machte deutlich, welche Probleme Kriegsheimkehrer haben, wenn sie wegen einer Kleinigkeit entlassen wurden. Und der Karikaturist des "Charlotte Observer" hat eine so spitze Feder, dass den New Yorker Juroren auch das einen Pulitzerpreis wert war.

Seit fast 100 Jahren wird der aus dem Nachlass des 1911 gestorbenen Verlegers Joseph Pulitzer gestiftete Preis vergeben. Manche sehen die ausgezeichneten Berichte in den 14 Sparten als Zeichen der Schwächen der Demokratie. Manche dagegen als ihre Stärke. Schließlich hat das Komitee zum Schutze von Journalisten am selben Tag wieder über schikanierte, angegriffene und gar getötete Reporter in Ländern berichtet, die weder Demokratie noch Journalistenpreise haben.