New York - Bücher haben Dan Brown schon immer fasziniert. "Wir hatten keinen Fernseher als ich aufgewachsen bin, also habe ich wie verrückt gelesen", erzählte der US-Schriftsteller jüngst der "New York Times".

Besonders fasziniert habe ihn als Kind unter anderem das Buch "Die Zeitfalte" von Madeleine L\'Engle. "Als ich halb durch war, hat meine Mutter mir gesagt, es sei jetzt Zeit fürs Bett. Ich erinnere mich, dass ich dann nicht schlafen konnte, weil ich so besorgt um die Sicherheit der Figuren war. Am nächsten Tag, als ich das Buch ausgelesen habe, habe ich vor Freude geweint, weil alles gut ausgegangen ist."

Damals sei ihm erstmals die "Magie des Geschichtenerzählens" und die "Macht des gedruckten Wortes" bewusstgeworden, sagt Brown. Inzwischen verdient er längst sein Geld damit - und nicht zu knapp. Erfolgs-Thriller wie "Sakrileg", "Das verlorene Symbol" und "Inferno", die sich weltweit mehr als 200 Millionen Mal verkauft haben, sowie Verfilmungen haben den US-Schriftsteller zum Multimillionär gemacht. Kritiker werfen ihm Oberflächlichkeit, einen Hang zur Verschwörungstheorie und zu wenig Originalität in Sprache und Konzept vor, aber Millionen Fans sind den Brown-Büchern treu. Jetzt wird der Bestseller-Autor 50 Jahre alt - und schreibt schon wieder am nächsten Werk.

Dabei begann Browns Karriere trotz einer Kindheit voller Bücher nicht als Schriftsteller. Geboren wurde Daniel "Dan" Brown 1964 in Exeter im US-Bundesstaat New Hampshire. "Meine Mutter war die Chorleiterin und Organistin unserer Kirche. Ich war im Chor, ich bin konfirmiert worden und in die Bibel-Schule gegangen", erzählte Brown dem Radiosender WNPR. "Mein Vater ist Mathematiker und Schulbuchautor und so bin ich irgendwie in sich widersprechenden Welten von Wissenschaft und Religion aufgewachsen."

Nach dem College versucht sich Brown zunächst als Sänger, Songschreiber und Schauspieler in Hollywood, allerdings mit mäßigem Erfolg. Immerhin lernt er in Los Angeles seine spätere Frau Blythe Newlon kennen, mit der er Anfang der 90er Jahre zurück nach New Hampshire zieht. Brown wird Lehrer für Englisch und Spanisch, bis er irgendwann auf die Idee kommt, Thriller zu schreiben. Die ersten bleiben allerdings erfolglos.

Aber dann vertieft er sich in die Werke des italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci und die angeblichen Codes darin. "Ich habe eine Kunsthistorikerin geheiratet, die da Vinci-Fanatikerin ist. Und von da aus gab es kein Zurück, zum Schluss habe ich das jahrelang studiert", sagte Brown dem Nachrichtensender CNN. Aus den Studien wird 2003 der Thriller "The Da Vinci Code" (der deutsche Titel lautet "Sakrileg"), der Brown zum Durchbruch katapultiert. Monatelang hält sich die Geschichte um den Symbol-Forscher Robert Langdon in den Bestsellerlisten der Welt und wird später mit Tom Hanks verfilmt.

Auch Browns Vorgängerwerk "Illuminati", ebenfalls mit Robert Langdon als Protagonist, wird von der Erfolgswelle mitgezogen und verfilmt. Langdons nächste Abenteuer - erzählt in "Das verlorene Symbol" und "Inferno" - verkaufen sich auch blendend. "Ich bin einfach geboren, um Thriller zu schreiben", sagte Brown einmal zu "Entertainment Weekly". "Ich habe nur eine Weile gebraucht, das herauszufinden." Leicht falle ihm die Arbeit aber trotzdem nicht. "Ich schreibe langsam. Für jede Seite von "Sakrileg" habe ich sicher zehn weggeschmissen." Ab 4.30 Uhr morgens sitze er sieben Tage die Woche fünf oder sechs Stunden lang an seinem Schreibtisch.

Aber die harte Arbeit hat sich ausgezahlt und Brown zu einem der derzeit erfolgreichsten und bekanntesten Schriftsteller der Welt gemacht. "Jedes Mal wenn ich in einem Flugzeug sitze, lesen mindestens vier oder fünf Leute meine Bücher. Ein paar Mal saß ich schon neben so jemandem und habe dann einfach gefragt "Kann das Buch was?" Das macht immer Spaß." An die Rente für seinen Star-Protagonisten Robert Langdon denkt Brown dann auch noch lange nicht. "Es gibt keinen Mangel an Geheimnissen und Abenteuern für Robert Langdon. Ich habe Ideen für mindestens zwölf weitere Bücher. In meinem Leben werde ich gar nicht genug Zeit haben, die alle zu schreiben."