Santiago de Chile - Bei der Digitalisierung der Arbeitshefte von Pablo Neruda werden zwanzig unbekannte Gedichte des Nobelpreisträgers gefunden. Sie sollen demnächst veröffentlicht werden.

Zwanzig unveröffentlichte Gedichte von Pablo Neruda sind unter seinen Manuskripten entdeckt worden. Literaturwissenschaftler der Neruda-Stiftung in Santiago de Chile fanden die bis dahin unbekannten Werke bei der Digitalisierung der Arbeitshefte des chilenischen Nobelpreisträgers. "Möglicherweise hat Neruda die Gedichte einfach aus Zerstreutheit unveröffentlicht gelassen", erklärte Darío Osés, der Leiter der Bibliothek der Neruda-Stiftung.

"Die Gedichte zeigen, wie sehr die Welt Neruda faszinierte", sagte Osés der Nachrichtenagentur dpa. Es handele sich um Werke, die der Dichter (1904-1973) zwischen 1956 und 1972 verfasst habe. Sechs seien Liebesgedichte, zum Teil Nerudas langjähriger Gefährtin Matilde Urrutia gewidmet.

Die Gedichte sollen vor Jahresende vom spanischen Verlag Seix Barral unter dem Titel "Poemas inéditos, Pablo Neruda" ("Unveröffentlichte Gedichte, Pablo Neruda") herausgegeben werden. "Wir stehen vor einem literarischen Ereignis universaler Bedeutung", erklärte der literarische Direktor des Verlags, Pere Gimferrer.

Die Veröffentlichung der zwanzig Gedichte werde das Gesamtwerk Nerudas nicht neu interpretieren, erklärte Osés. Sie seien absolut gleichwertig mit den bereits bekannten Gedichten. Es gebe keine Hinweise, dass Neruda sie nicht veröffentlichen wollte, sagte der Bibliotheks-Leiter, der in den letzten drei Jahren rund 4500 Dokumente des Nachlasses des Dichters digitalisierte.

Der Autor von "Zwanzig Liebesgedichte und ein Lied der Verzweiflung" hatte 1971 den Literaturnobelpreis bekommen. Zwei Jahre später starb er in Santiago de Chile, wenige Tage nach dem Staatsstreich des Generals Augusto Pinochet.