London - Bevor Minette Walters eine gefeierte Krimi-Autorin wurde, musste sie durch eine harte Schule: Für ein englisches Literaturmagazin suchte sie kitschige Liebes-Kurzgeschichten aus.

"Ich habe mich am laufenden Band über das Material beschwert, das uns zugeschickt wurde", erzählte sie vor Jahren einmal. Ein Kollege habe ihr vorgeschlagen, es besser zu machen. "So habe ich Übung bekommen." Das hat sich gelohnt: Gleich ihr Debüt-Krimi "Im Eishaus" gewann einen Preis und machte sie zur gefragten Spezialistin für Mord und Mysteriöses. Am Freitag wird Walters 65 Jahre alt.

Die Britin ging auf das selbe Mädcheninternat, das auch Agatha Christie besucht hatte. Sie studierte Literatur, machte einen Abschluss in Französisch und Deutsch, heiratete und bekam zwei Söhne. Ihre Liebesgeschichten verfasste Walters unter einem Pseudonym, das sie bis heute erfolgreich geheim hält.

Als die Söhne nicht mehr ihre ganze Aufmerksamkeit verlangten, schrieb Walters "Im Eishaus", 1994 erschien der Roman in Deutschland. Dass es ein Krimi wurde, war kein Zufall. Seit sie als Kind die Märchen der Brüder Grimm gelesen hatte, interessierte sie sich für das Genre: "Es geht immer darum, dass die Bösewichte ihre wohlverdiente Strafe bekommen", schreibt sie auf ihrer Homepage.

Seitdem produziert sie einen Krimi nach dem anderen, ihre Bücher wurden zu internationalen Bestsellern mit Millionenauflage. Viele ihrer Geschichten sind Reisen in die Vergangenheit der Hauptfiguren, zu denen meist starke Frauencharaktere gehören. Auch wenn die Autorin nun im Rentenalter ist, müssen Walters-Fans nicht auf Nachschub verzichten: Im Mai erscheint mit "The Cellar" (Der Keller) ein neues Buch in England.