München - Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass (86) hat sich mit seinem Vater Wilhelm heftig über seinen Berufswunsch gestritten.

Grass wollte nach dem Krieg Bildhauer werden, aber der Vater habe versuchte, ihm eine Bürolehre aufzudrängen, sagte der Schriftsteller dem Magazin "Focus". Er habe dem Vater gesagt: "Willst du mich zum Kriminellen machen? Büro langweilt mich so, dass ich mit der Portokasse durchbrenne."

Nachdem er in Paris den Welterfolg "Die Blechtrommel" geschrieben hatte, sei sein Vater "auf einmal stolz" auf ihn gewesen. "Er hat nie ein Buch von mir gelesen, aber er hatte immer positive Rezensionen meiner Bücher in der Brieftasche. Die zeigte er herum, denn was da drinstand, das glaubte er. Seitdem hatten wir Frieden."

Was seine Eltern angeht, die in Danzig einen Kolonialwarenladen betrieben hatten, meint Grass: "Ich bin ein Muttersohn." Als Grass 1944 mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen wurde, habe sich seine Mutter geweigert, ihn zum Bahnhof zu bringen: "Sie konnte das nicht aushalten. Aber mein Vater hat mich begleitet, das werde ich ihm nie vergessen."