Stockholm/Berlin - Den Nobelpreisträger zu erraten - damit tun sich selbst Literaturkenner schwer. "Pferderennen oder Fußball sind viel einfacher", sagt der deutsche Schriftsteller Moritz Rinke ("Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel").

Trotzdem wagt er einen Tipp: "Man könnte in diesem Jahr vielleicht mit jemandem aus der Ukraine, einer kritischen Stimme aus Russland oder bestenfalls mit einem syrischen oder palästinensischen Kandidaten rechnen." Favorit ist für Rinke aber einer, "der ihn Jahr für Jahr verdient hätte", ihn aber wohl "sowieso wieder nicht bekommt: Philipp Roth".

Sein Schriftsteller-Kollege Uwe Tellkamp ("Der Turm") kann sich sogar einen Preis für "Harry Potter"-Erfinderin Joanne K. Rowling vorstellen. Daneben stehen der Rumäne Mircea Cartarescu ("Orbitor"-Trilogie), Péter Nádas aus Ungarn ("Buch der Erinnerung") und der Australier Les Murray ("Fredy Neptune") weit oben auf Tellkamps Kandidatenliste. "Dies sind, für mich und unter dem Vorbehalt, dass niemand alles kennen und lesen kann, jene Bücher unserer Zeit, die sich den großen Leistungen der Vergangenheit ohne Bedenken an die Seite stellen lassen", sagte er dpa.

Der Dichter und Verleger Michael Krüger, der als langjähriger Chef des Hanser-Verlages fünfmal dabei war, wenn einer seiner Autoren in Stockholm ausgezeichnet wurde, will sich nicht auf einen einzigen Favoriten festlegen. "Den Preis sollen kriegen - alphabetisch: Yves Bonnefoy, Geoffrey Hill, Peter Handke, Philippe Jaccottet, Claudio Magris, Botho Strauss, Adam Zagajewski. Am liebsten alle zusammen."

Das Geheimnis um den diesjährigen Literaturnobelpreisträger lüftet die schwedische Akademie am Donnerstag (9. Oktober) in Stockholm.