Alcalá de Henares - Spaniens König Felipe VI. hat den Schriftsteller Juan Goytisolo als einen kritischen Geist gewürdigt.

Bei der Überreichung des Cervantes-Preises an den 84-jährigen Autor betonte der Monarch am Donnerstag in Alcalá de Henares bei Madrid, Goytisolo trage mit seinen Werken dazu bei, dass etablierte Ideen und Visionen revidiert würden.

Der Cervantes-Preis ist mit 125 000 Euro dotiert und gilt als die wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt. Der Preisträger sagte in einer ungewöhnlich kurzen und kritischen Ansprache: "Wir haben zahllose Gründe, uns zu empören. Ein Schriftsteller kann sie nicht ignorieren, ohne sich zu verraten."

Goytisolo hatte sich vor der Zeremonie in der Geburtsstadt des Don-Quijote-Autors Miguel de Cervantes als ein Sympathisant der neuen Linkspartei Podemos (Wir können) zu erkennen gegeben. Er erschien zur Entgegennahme des Preises nicht in einem dunklen Anzug, sondern in einem braunen Jackett. "Es ist absurd, von einem 84 Jahre alten Mann zu verlangen, sich zu verkleiden", hatte er vor der Zeremonie erklärt.

Goytisolo gilt als ein Mittler zwischen der westlichen und der arabischen Welt. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Trauer im Paradies" sowie die Trilogie "Identitätszeichen", "Rückforderung des Grafen Don Julian" und "Juan ohne Land", eine Abrechnung mit der rückständigen Gesellschaft unter der Franco-Diktatur (1939-1975).