Kassel - Die Hexe in den Ofen schubsen oder mit den sieben Zwergen am Tisch sitzen - ohne Mitmachen geht es für Besucher der neuen Grimmwelt in Kassel kaum.

Die Arbeiten für das Haus der berühmten Brüder Grimm biegen auf die Zielgerade ein. In den kommenden Wochen beginne der Aufbau der Ausstellung, sagt Grimmwelt-Projektleiterin Susanne Völker.

Schwerpunkt außer den Märchen ist die Sprache. Mit interaktiven Ausstellungsobjekten werden Jung und Alt zum Mitmachen aufgefordert: So werden Buchstaben Wörter aus dem Grimm\'schen Wörterbuch zugeordnet. "Es geht bei Z wie Zettel los", sagt Völker. Bei A wie Ärschlein beispielsweise kann man ein Schimpfwort einsprechen und bekommt ein "übersetztes" Grimm\'sches Schimpfwort heraus. Die Grimms waren die ersten, die überhaupt Schimpfwörter in ein Wörterbuch aufnahmen. "Das Wörterbuch ist nicht minder bedeutend wie die Märchen", sagt Völker.

Auf den 1600 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind originale Bücher wie eine Handausgabe der "Kinder- und Hausmärchen" zu sehen, die zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehört. Außerdem werden Erbstücke der Grimms gezeigt. Neben der Dauerausstellung sind zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr geplant. In der ersten geht es um das Thema Haare, das in vielen Märchen eine Rolle spielt, wie zum Beispiel bei Rapunzel.

Der Neubau kostet rund 20 Millionen Euro. Eröffnet werden soll die Grimmwelt am 4. September. Die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm lebten mit Unterbrechungen zwischen 1798 und 1841 in Kassel. Dort sammelten sie Kinder- und Hausmärchen und begannen die Arbeit an ihrem Deutschen Wörterbuch. Geboren wurden sie in Hanau, doch die Stadt hat auf einen Museumsneubau verzichtet. "Das ist der Haushaltssanierung zum Opfer gefallen", sagt ein Stadtsprecher.