Berlin Ohne große Vorrede führt des Südafrikaner Deon Meyer in seinem neuen Roman "Cobra" mitten ins Geschehen. Der Ermittler Bennie Griessel trifft gerade an einem Tatort ein.

Im Gästehaus eines Weinguts außerhalb von Kapstadt wurden die Leichen von drei Männern gefunden, darunter die zweier Personenschützer. Alle Opfer wurden mit Patronen erschossen, auf deren Hülsen eine Giftschlange eingraviert wurde.

Schon bald wird klar, dass hinter diesem höchst professionell ausgeführten Verbrechen ein weiteres steht. Aus dem Gästehaus wurde ein Mann entführt, der unter falschem Namen reiste. Aber schließlich kann er doch identifiziert werden als ein Wissenschaftler, der ein Computerprogramm entwickelt hat, mit dem Terroristen und international tätige Wirtschaftskriminelle aufgespürt werden können.

Kaum hat Griessel den Auftrag bekommen, den Fall zu lösen, da wird er ihm schon wieder entzogen. Warum, bleibt unklar, aber die Anweisungen kommen wohl von ganz oben. Besonders bedenklich ist, dass offenbar die Telefone der Kriminalpolizei abgehört werden.

Dann geschieht ein weiteres schweres Verbrechen. Mehrere Wachmänner eines Einkaufszentrums werden erschossen, und wieder waren die Patronenhülsen mit Cobras graviert. Der einzige Zeuge, ein Taschendieb, ist verschwunden.

Dieser Taschendieb, Tyrone, wird nun zur zweiten Hauptfigur des Romans. Clever und gierig wie er ist, erkennt er seine Chance, den Vorteil auszunutzen, den er durch Zufall an die Hand bekommen hat: "Jetzt war er ein Player. Jetzt würden sie bezahlen."

In kurzen, actionreichen Kapiteln verbindet Meyer sehr geschickt die verschiedenen Handlungsebenen. Hin und her geht es zwischen Griessels Suche nach den Mördern und Tyrones Versuchen, die Gangster zu erpressen. Die Erzählung ist immer ganz nahe an den Figuren, bis hin zu einer dramatischen Szene in einem Vorortzug, in dem alle beteiligten Seiten aufeinandertreffen.

Eine besondere Qualität bekommt der ursprünglich auf Afrikaans geschriebene Roman durch seine Darstellung des Alltags am Kap mit vielen sozialen Spannungen, großen Hoffnungen in die Zukunft und einer immer im Hintergrund lauernden Vergangenheit. "Das ist genau wie zu Zeiten der Apartheid", beschwert sich eine Polizistin über die Versuche der Geheimdienste, die Polizei kaltzustellen.

Auch die Zeichnung der Figuren überzeugt durch ihren Realismus. Bennie Griessel ist zwar ein erfolgreicher Polizist, aber keinesfalls ein strahlender Held. Denn er ist auch ein trockener Alkoholiker, den seine Sucht weiter verfolgt. Und er verspürt zusätzlich Schuld darüber, schon dem alten Apartheid-Regime gedient zu haben.

Deon Meyer liefert mit "Cobra" einen spannenden Polizeithriller ab. Darüber hinaus bietet das Buch aber auch ein facettenreiches Bild des modernen Südafrika aus einer überraschenden Perspektive.

- Deon Meyer: Cobra. Verlag Rütten & Loening, Berlin, 431 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-352-00686-9.